Kommentar
Fragen ohne Antworten bei der Deutschen Bank

Die Rechtsstreitigkeiten bleiben die Achillesferse der Deutschen Bank. Drei Milliarden Euro stellt das Unternehmen deswegen mittlerweile zurück. Den Vorstandschefs Jain und Fitschen muss ein Befreiungsschlag gelingen.
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Jürgen Fitschen und Anshu Jain führen das größte deutsche Geldhaus jetzt seit gut einem Jahr. Kaum jemand hätte im Juni 2012 geglaubt, dass der Investmentbanker und sein Kollege „Mister Mittelstand“ miteinander harmonieren, ein Machtkampf um die richtige Strategie schien programmiert. Doch es kam ganz anders, tatsächlich passt heute kaum ein Blatt zwischen die beiden Top-Banker. Beide haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt, und bei wichtigen Kernfragen wie der Kapitalausstattung und den Kostensenkungen sind die Fortschritte nicht von der Hand zu weisen.

Beispielsweise liegt die Deutsche Bank – die traditionell schwach war gemessen am Kapitalpolster – mit einer Kernkapitalquote von jetzt zehn Prozent in der Spitzengruppe der internationalen Investmentbanken. Bei den Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz macht man Fortschritte, der Umbau der Vermögensverwaltung ist in vollem Gang – wenn auch die Reibungsverluste hier unübersehbar sind. Das Privatkundengeschäft läuft mehr als nur rund – schon jetzt kann Bereichsvorstand Rainer Neske die Integration der Postbank als Erfolg verbuchen.

So weit, so gut. Die Achillesferse der Bank bleiben aber nach wie vor die unzähligen Rechtsstreitigkeiten. Sie sind zwar alle das Erbe der Vorgänger von Fitschen und Jain, sie schweben aber gleichwohl wie ein Damoklesschwert über den Zwillingstürmen in Frankfurt. Es sind Altlasten, die sich aber ganz handfest im jeweils neuesten Zahlenwerk niederschlagen. Im zweiten Quartal 2013 wurden beispielsweise nochmals 630 Millionen Euro zur Seite gelegt, jetzt belaufen sich die Rückstellungen schon auf rund drei Milliarden Euro – die wunde Stelle des Instituts wird immer größer.

Finanzvorstand Stefan Krause hat am Dienstag vor Analysten wieder den hintersten Winkel der Bilanz ausgeleuchtet, nur die Rechtsrisiken bleiben undurchsichtig. Wie hoch werden die Strafen für die Libor-Zinsaffäre ausfallen? Was kommt noch aus den Hypothekenstreitigkeiten aus den USA auf die Bank zu? Wie hoch fällt der Schadenersatz nach der jahrzehntelangen Fehde mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch aus? Fragen ohne Antworten.

Jain und Fitschen sollten in den kommenden Quartalen alles daran setzen, endlich diese Schatten der Vergangenheit von der Bilanz zu nehmen. Es wäre ein echter Befreiungsschlag für die Bank – und auch für den Aktienkurs.

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