Kommentar: Fußball ist börsenfremd

Kommentar
Fußball ist börsenfremd

Selten haben so viele Menschen um ein börsennotiertes Unternehmen gezittert wie im Falle Borussia Dortmund. Wer jetzt allein nach dem Fehlverhalten des Managements fragt, greift zu kurz. Ein tieferer Grund für die Krise lautet: Der BVB hat an der Börse nichts zu suchen. Fußballvereine in ihrer derzeitigen Konstruktion sind nichts für die Kapitalmärkte.

Die Erfolgsstory von Manchester United ist die Ausnahme, die diese Regel bestätigt. Vor allem eines macht Fußballclubs börsenunfähig: die Vorschrift von DFB und Deutscher Fußball-Liga, wonach die Vereine die Hoheit über das Unternehmen behalten müssen. Diese Regelung ist verständlich, sie soll feindliche Übernahmen verhindern. Nicht verständlich ist aber, warum Aktionäre ihr Geld in ein Konstrukt stecken sollen, das sich im Extremfall – wie bei Borussia Dortmund – als ein undurchdringlicher Dschungel präsentiert, in dem das Kapital der Eigentümer verbrannt wird.

An diesem Punkt wird gern auf die USA verwiesen, wo Sport ein einträgliches Geschäft sein kann. Doch dort gehorcht der Sport anderen Gesetzen: Vereine können nicht auf- oder absteigen, die Ligen sind geschlossene Veranstaltungen und gründen allenfalls neue Mitglieder. In solch einem Biotop, in dem sogar Tarifverträge zwischen Spielern und Clubs gedeihen, lässt sich trefflich wirtschaften.

Deutschlands Kicker-Manager aber arbeiten unter anderen Bedingungen. Die Fans gieren nach internationalen Erfolgen. Und der Reiz, über die Champions League die Einnahmen in die Höhe schießen zu lassen, verstellt den Blick für Langfristperspektiven. Andernorts machen Mäzene wie in Chelsea der russische Milliardär Roman Abramowitsch ein Team zum teuren Hobby. In Italien dürfen Hunderte von Millionen Euro Schulden angehäuft werden, ohne dass die Liga-Lizenz entzogen wird.

Weil das Modell Börse nicht klappt, bleiben deutschen Clubs nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie finden Wohltäter mit gut gefüllten Konten, oder sie fügen sich darin, dass sie nicht auf Augenhöhe mit den besten europäischen Clubs agieren.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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