Kommentar
Ganz oder gar nicht

Die Landesbanken wollen US-Institute auf Entschädigung verklagen. Es wäre ein folgenschwerer Schritt. Denn gegen die Wall-Street-Banken vorzugehen ist nicht ohne Risiko. Umso so wichtiger ist Geschlossenheit.
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Deutsche Landesbanker stehen vor einer unglaublich schweren Entscheidung. In der Ferne winkt die Chance, Geld von jenen US-Instituten zurückzubekommen, die sie vor der Finanzkrise beispiellos über den Tisch gezogen haben. Es geht um sehr viel Geld: Branchenkennern zufolge könnten rund 20 Milliarden Dollar drin sein, wenn sich die Landesbanken mit anderen europäischen Instituten zusammenschließen und amerikanische Banken zu einem Vergleich zwingen. Wenn auch spät - es wäre die Hoffnung auf ein kleines bisschen Genugtuung nach der schweren Krise, die einige Landesbanken die Existenz gekostet haben.

Man könnte meinen, dass diese Aussicht eine große Motivation für die gebeutelten Landesbanker ist, dass sie sich mit Eifer dahinterklemmen und alle juristischen Optionen längst genau geprüft haben. Doch aus Finanzkreisen verlautet genau das Gegenteil. Die Zocker von damals tun sich heute offenbar schwer. Sie zögern, winden sich, treten auf der Stelle. Es ist ein folgenschwerer Schritt. Denn gegen die großen Banken der Wall Street vorzugehen ist nicht ohne Risiko.

"Jetzt ist nicht die Zeit, das Risiko zu scheuen!" möchte man ihnen zurufen. Schließlich geht es hier auch um viel Geld der deutschen Steuerzahler, und die Verjährungsfrist droht schon nächstes Jahr auszulaufen. Doch der eigentliche Rat, den man den Landesbankern geben muss, lautet: "Tun Sie nichts Unüberlegtes."

Wer die Wall Street angreifen will, der muss wild entschlossen sein. Wenn die Landesbanken die großen US-Häuser zu einer milliardenschweren außergerichtlichen Einigung bringen wollen, dann müssen sie signalisieren: Wir sind bereit, unsere Ansprüche vor Gericht bis zum bitteren Ende durchzufechten.

Der Kulturunterschied zwischen den aggressiven, testosterongeladenen Bankern der Wall Street und den Provinzbankern in Städten wie Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf könnte größer nicht sein. Das haben die Deutschen schon einmal zu spüren bekommen. Wer heute noch dein Freund ist, kann dich morgen fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Wenn es den Landesbankern gelingt, ihr Zögern und ihre Angst hinter sich zu lassen, dann sollten sie den Angriff wagen. Ein halbherziger Angriff dagegen ist zum Scheitern verurteilt. Die geschulten Anwälte in New Yorks Finanzzentrum wittern sofort, wenn der Gegner unsicher ist und Zweifel hat. Hat der Wolf das Gefühl, er wird von einem Schaf bedroht, wird er es zerfetzen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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