Kommentar
Gar nicht supergeil für den Verbraucher

Edeka übernimmt die 450 Kaiser's-Filialen. Für das Machtgefälle zwischen Einzelhändlern und Lieferanten bedeutet das nichts Gutes. Und für den Verbraucher wird es auch nicht „supergeil“.
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Als das Kartellamt in der vergangenen Woche die Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel bemängelte, war die Empörung bei Edeka groß. Die Untersuchung bilde die Wirklichkeit des Lebensmitteleinzelhandels nicht ab, schrieb die Supermarktkette in einer Mitteilung. Das Verfahren sei „gründlich misslungen“.

Die Kritik verwunderte wenig, griff die Bundesbehörde den Einzelhändler doch direkt an. Nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts ist Edeka besonders stark positioniert. Und nun will ausgerechnet der ohnehin schon stärkste Spieler im Markt eine weitere Kette übernehmen: den bisherigen Konkurrenten Tengelmann.

Ein gewinnbringendes Geschäft: Tengelmann wird seine defizitäre Supermarktsparte los, der Konkurrent Edeka, der Anfang des Jahres mit ihrer Werbekampagne „Supergeil“ auf sich aufmerksam machte, kann sein Filialnetz ausbauen. Auch die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben und – wichtig für den Verbraucher – die Filialen.

Also alles supergeil? Ganz und gar nicht. Oder, wie es das Kartellamt etwas vorsichtiger formuliert: Schon die jetzige Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel ist ein Problem.

Edeka ist mit rund 25 Prozent klarer Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel. Der Konzern betreibt in Deutschland 11.600 Märkte und machte 2013 einen Umsatz von 46,2 Milliarden Euro. Schon 2007 stärkte er seine Marktposition durch einen Zukauf: Damals gab Edeka bekannt, die bis dahin zu Tengelmann gehörende Kette Plus in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Markendiscount Netto einzubringen. Bei der Übernahme hatte Edeka auch den großen Nebenbuhler Rewe ausgestochen.

Aus Plus wurde Netto. Und ein Konkurrent weniger.

Nun wird ein weiterer Konkurrent geschluckt. Kaiser's Tengelmann ist mit einem Marktanteil von 0,6 Prozent zwar eine bescheidene Größe im Lebensmittelmarkt. Trotzdem baut Edeka seine Marktmacht weiter aus und zieht dem Konkurrenten Rewe – Marktanteil: knapp 15 Prozent – wieder davon.

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Auf Dauer wird die Marktmacht teuer

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