Kommentar
Gedächtnislücken bei EnBW

Im Zeichen der „Klimapflege“ verteilte der Lobbyist Andrey Bykov für EnBW Millionen in Russland. Die Sache erinnert an große Korruptionsfälle. Die unglaubliche Vergesslichkeit der Manager macht den Fall noch mysteriöser.
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Er war der Russe mit den deutschen Spendierhosen. Wann immer Andrey Bykov in den vergangenen Jahren von einer Reise in den Westen zurückkam, ließ er in seiner Heimat Denkmäler aufstellen, Kirchen restaurieren, Schachschulen bauen und Wallfahrten organisieren - vorzugsweise zu seinem großen Vorbild, dem Heiligen Nikolaus. Die Gesamtrechnung für die Wohltaten betrug 100 Millionen Euro. Finanziert hat sie der deutsche Stromversorger EnBW.

Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Alle möglichen Unternehmen engagieren sich für gemeinnützige Zwecke, die Deutsche Bank sponsert die Berliner Philharmoniker, Audi die Bayreuther Festspiele und Volkswagen das Museum of Modern Art in New York.

Doch bei EnBW liegt der Fall anders. Das zeigt schon die Wortwahl von Bykov, wenn er beschreibt, wie er der EnBW half, Geschäfte in Russland zu machen. Und zwar so, wie man in Russland halt Geschäfte macht.

Da ist jedenfalls keine Rede davon, dass ein Konzern der Gesellschaft, in der er tätig ist und Gewinne macht, etwas zurückgeben will. Der Lobbyist wollte ein "günstiges Umfeld" schaffen, er spricht von "Klimapflege". Dazu kommen weitere Merkwürdigkeiten: Zu den vielen Millionen für den Nikolaus kamen 100 Millionen für Bykov selbst.

Auch das mag in Russland so üblich sein. Mit deutschen Regeln guter Unternehmensführung aber hat das ebenso wenig zu tun wie mit den Grundsätzen einer transparenten Buchführung. Kein Zweifel: Der Fall erinnert an die großen Korruptionsfälle bei Daimler und Siemens - wobei es letztlich natürlich Sache der deutschen und russischen Ermittlungsbehörden sein wird, diese Art von Geschäftsanbahnung samt der üppigen Vergütung auf ihre Rechtmäßigkeit zu prüfen.

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Die unglaubliche Vergessenheit der Manager

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