Kommentar: Gefährliches Eis

Kommentar
Gefährliches Eis

Die Crew des im Eis gestrandeten Expeditionsschiffs feierte eine ausgelassene Silvesterparty. Doch die nahe Rettung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie riskant Leben und Arbeiten im ewigen Eis ist.
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Die Natur zeigt ihre Stärke. Während sich in der Arktis Russland, Kanada und andere Anrainer des Eismeers das Recht auf Nutzung des Meeresbodens streitig machen und so tun, als seien sie die Herren über die Nordpolarregion, die sie wie einen Kuchen unter sich aufteilen dürfen, sitzt auf der anderen Seite des Erdballs, im Südpolargebiet, ein russisches Expeditionsschiff im antarktischen Eis fest. Eisbrechern aus drei Ländern – Australien, Frankreich und China – war es bislang nicht gelungen, zu den Eingeschlossenen auf der „Akademik Shokalskiy“ vorzudringen.

Nun sind Antarktis und Arktis so grundverschieden, dass Vergleiche schwer zu ziehen sind. Die Antarktis ist ein eisbedeckter, unbewohnter Kontinent, umgeben von Schelfeis und einem eisigen Ozean. Die Arktis dagegen ist ein im Winter komplett und im Sommer teilweise eisbedeckter Ozean, umgeben vom nordamerikanischen und eurasischen Kontinent, mit Hunderttausenden Menschen, die in dieser Region leben. Klimaveränderungen vollziehen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Ausprägungen. Und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Antarktis, die durch die antarktischen Verträge vor nationalen Begehrlichkeiten geschützt ist, ist ebenfalls nicht mit der Arktis zu vergleichen, in der die Anrainer nun ihre Hoheitsrechte abstecken.

Und doch sollten diejenigen, die vom Rohstoffreichtum der Arktis und offenen Schifffahrtswegen träumen oder, wie Russland und Kanada, das Recht auf ein paar Tausend Quadratkilometer Meeresboden am Nordpol zur nationalen Frage erheben, von der Wohl und Wehe des Landes abhängt, aus den Vorkommnissen in der Antarktis Lehren für die Arktis ziehen. Eis ist gefährlich. Selbst bei einem weiteren Schwund des Eises werden der arktische Ozean und das ihn umgebende Festland gefährliches und herausforderndes Terrain bleiben.

Es ist an der Zeit, das Potenzial der Arktis realistisch einzuschätzen. Die ominösen Erdöl- und Erdgasvorkommen der Arktis, die immer wieder als Auslöser des Interesses am Nordpolarraum erwähnt werden, liegen überwiegend in der bereits heute klar definierten 200-Seemeilenzone oder gar an Land. Wir wissen nicht, was darüber hinaus im Eismeer im Boden lagert, erst Recht nicht, ob Rohstoffförderung weit draußen im Meer jemals wirtschaftlich sinnvoll und zugleich umweltpolitisch zu verantworten ist.

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