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Gefährliches Spiel mit der Telekom

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Der aktuelle Tarifkonflikt zwischen der Telekom und der Gewerkschaft Verdi zeigt einmal mehr die schizophrene Rolle, die der Bund als größter Anteilseigner einnimmt. Auf der einen Seite fordert er, Telekom-Chef Obermann soll endlich aufräumen in seinem Laden und dafür sorgen, dass die träge T-Aktie wieder in Schwung kommt. Schließlich will Finanzminister Peer Steinbrück weitere Anteile an der Telekom verkaufen – und damit einen möglichst hohen Preis erzielen.

Auf der anderen Seite kommt der Bundesregierung ein öffentlichkeitswirksamer Streik der Telekom-Mitarbeiter politisch ungelegen. Schließlich fallen die schmerzlichen Kürzungen bei dem ehemaligen Staatsunternehmen in eine Zeit, in der in anderen Unternehmen höhere Tarifabschlüsse vereinbart werden. Hinzu kommt, dass die Hälfte der betroffenen Telekom-Mitarbeiter Beamte sind.

Das Spiel des Bundes ist gefährlich: Er verlangt von Obermann, bei den Personalkosten zu sparen und gleichzeitig eine Einigung mit Verdi zu erzielen. Und macht sogar Obermanns Schicksal vom Erfolg dieser heiklen Mission abhängig.

Damit gewährt Berlin ausgerechnet Verdi eine ungeheure Machtfülle. Ihr Verhandlungsführer Lothar Schröder hat nun maßgeblichen Einfluss auf Obermanns Schicksal. Je mehr Zugeständnisse er ihm abringt, umso mehr wird er den Bund gegen den Telekom-Chef aufbringen.

Pikant an der Situation ist, dass auch Schröders eigenes Fortkommen vom Ausgang der Auseinandersetzung abhängt: Im Herbst steht der Bundesvorstand von Verdi und damit auch Schröder zur Wahl. Zeigt er sich im aktuellen Konflikt zu nachgiebig, muss er um seine eigene Position in der Gewerkschaft bangen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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