Kommentar
Genauso wie bei VW

Wieso behaupten eigentlich alle, VW sei ein Einzelfall? Sicherlich: Tarnfirmen, brasilianische Prostituierte auf Geschäftskosten und einen Reptilienfonds für den Betriebsrat – diese besondere Mischung gab es wohl nur in Wolfsburg.

Doch das sind nur die schlimmsten Auswüchse eines pervertierten Mitbestimmungssystems, das leider eben kein Einzelfall geblieben ist: Gewerkschaften und Betriebsräte haben sich in den Aufsichtsräten und Vorständen einen sachfremden Einfluss verschafft, der allen Geboten guter Unternehmensführung widerspricht.

Beispiel RWE: Dort regieren die beiden Gewerkschaften IG BCE und Verdi immer offener in die Vorstände der Konzernholding und ihrer Tochtergesellschaften hinein. Als Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrats bugsiert Verdi-Chef Bsirske seine Leute gegen den Widerstand der Kapitalseite ins Management. Gleich mehrere Betriebsratsvorsitzende wechselten nach kurzer Schamfrist direkt in die Vorstandssessel, damit der Proporz zwischen den Gewerkschaften stimmt. Zwei von fünf Holdingvorständen reisen im zweitgrößten deutschen Energiekonzern mittlerweile auf Gewerkschaftsticket.

Auch anderswo dehnen die Gewerkschaften ihren Einfluss nicht nur über ihre paritätischen Mandate in den Aufsichtsräten aus. In vielen Konzernen besetzen sie die Personalvorstände mehr oder weniger nach eigenem Gutdünken. Nach dem ursprünglichen Mitbestimmungsgesetz sollten die so genannten Arbeitsdirektoren lediglich Personen sein, die das „besondere Vertrauen“ der Belegschaft besitzen. In der Praxis betrachten die Gewerkschaften diese Posten in den Konzernen inzwischen als ihren eigenen Besitzstand. Abgehalfterte Funktionäre und vollständig überforderte Betriebsräte gelangen so in die Spitze unserer Unternehmen. Wie sollen sie sich anschließend den Wünschen ihrer ehemaligen Gewerkschaftsgenossen widersetzen, denen sie ja ihre wohl dotierten Ämter verdanken? VW unterscheidet sich nur durch besondere Schamlosigkeit: Kaum verlässt der Arbeitsdirektor Peter Hartz mit Schimpf und Schande den Vorstand, pocht die IG Metall bereits auf das „Vorschlagsrecht“ für seinen Nachfolger.

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