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Kommentar: Glaubensfrage bei Daimler-Chrysler

Wer kann Daimler-Chrysler eigentlich noch glauben? Vor wenigen Wochen herrschte noch eitel Freude, Sonnenschein – bei der US-Sparte Chrysler stehe alles zum Besten. Das suggerierte den vordergründigen Eindruck, lediglich die anderen US-Konkurrenten General Motors und Ford hätten ein Problem mit dem schwachen amerikanischen Markt, Chrysler sei außen vor.

Doch wehe dem, der den Verantwortlichen des deutsch-amerikanischen Autokonzerns blind vertraut: Jetzt gibt es also doch große Probleme, im dritten Quartal wird die US-Sparte ein Milliarden-Defizit einfahren. Weil die Geschäfte schlecht laufen, könnte es sogar ein neues Sanierungsprogramm geben. General Motors und Ford liefern dafür gerade die Blaupausen – mit Werksschließungen und Massenentlassungen.

Jetzt ist auf jeden Fall klar, dass sich Chrysler nicht vom extrem schwachen US-Automarkt abkoppeln kann. Die Anteilseigner seien also gewarnt: Vieles deutet daraufhin, dass sich die Absatzzahlen wegen der abschwächenden US-Konjunktur noch weiter verschlechtern werden – mit entsprechend miserablen Zahlen für Ford, General Motors und eben auch Chrysler.

Bei Daimler kommt der Vertrauensverlust erschwerend hinzu. Während General Motors und Ford vergleichsweise offen mit der Krise umgehen und nichts beschönigen, sollte jeder Anleger beim Daimler-Konzern gehörig aufpassen.

In Stuttgart scheint es fast schon Routine zu sein, nicht mit offenen Karten zu spielen. Schon einmal, nämlich kurz nach der Fusion von Daimler und Chrysler, wurde der Öffentlichkeit eine rosige Welt bei der US-Sparte vorgespielt – und wenig später folgten ein Milliardenverlust und ein einschneidendes Sanierungsprogramm. Vertrauen an den Märkten und bei Anlegern lässt sich so sicherlich nicht gewinnen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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