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Kommentar: Gnade vor Recht für die Citigroup

Die Citigroup hat einmal mehr Glück. Sie ist jetzt auch bei der britischen Finanzaufsicht FSA mit einem blauen Auge davongekommen. Für skandalöse Anleihegeschäfte muss die weltgrößte Bank nur mit einer Millionenstrafe büßen. Außerdem kassiert die FSA den Gewinn aus dem Deal ein. Den schwerwiegenderen Vorwurf der Marktmanipulation durch Londoner Händler der Citigroup ließ die Aufsicht jedoch fallen.

Das ist wenig verständlich. Denn einen so gut dokumentierten Fall von Marktmanipulation gibt es nach inoffiziellen Einschätzungen von deutschen Finanzaufsehern nur einmal in 100 Jahren. Die Strategie war von langer Hand vorbereitet worden. Im Kern ging es darum, Kurse von Staatsanleihen über die Terminmärkte nach oben zu treiben, um dann zu den höheren Kursen Staatsanleihen im Rekordvolumen von 12,9 Milliarden Euro innerhalb von Sekunden zu verkaufen. Was ist denn Marktmanipulation, wenn nicht das?

Außerdem gab es interne Memos und Telefonmitschnitte, in denen Händler damit zitiert wurden, dass sie „einige kleinere Händler killen“, sprich aus dem Markt drängen könnten. Die vom Computer gesteuerte Strategie hatte zu Recht den Namen „Dr. Evil“. Das Ganze geschah auf Druck von oben. Denn im Juli hatte der Europachef für den Handel mit Zinsprodukten seinen Subalternen klar gemacht, dass sie zu wenig Geld verdienen würden. Deren Antwort kam prompt: „Dr. Evil“.

Doch die FSA ließ Gnade vor Recht ergehen. Sie bemängelt lediglich die mangelnde Risikokontrolle. Ein Trost ist nur, dass der Markt den Skandal nicht einfach zu den Akten legt. Der Ruf der Citigroup ist beschädigt. Das hat sich bereits auf das Geschäft ausgewirkt. Wenn die Aufsicht nicht greift, muss eben der Markt potenzielle Nachahmer abschrecken.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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