Kommentar
Googles Anti-Establishment

Seit dem Börsengang von Netscape im August 1995 ist wohl keine Internetfirma an der Wall Street mit so viel Euphorie erwartet worden wie Google. Die Freude beruht jedoch nicht auf Gegenseitigkeit. Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page haben dem Finanzestablishment in Manhattan eine unmissverständliche Botschaft geschickt: Bleibt uns vom Hals! Die beiden 30-jährigen Stanford-Studenten wollen sich von den Wall-Street-Bankern nicht ihre libertär-kapitalistischen Ideale kaputtmachen lassen. Gleichzeitig wollen sie jedoch mit ihrem Börsengang 2,7 Milliarden Dollar einsammeln. Die wirkliche Botschaft von Google heißt also: Gebt uns das Geld, aber redet uns nicht rein!

Um sich vor der kalten Gier der Wall Street zu schützen, hat Google der Finanzmeile seine Regeln diktiert. So sollen die Aktien nicht nach dem Gusto der Investmentbanken zugeteilt, sondern über eine Auktion an möglichst viele Privatanleger versteigert werden. Zugleich sichern sich Brin, Page und Vorstandschef Eric Schmidt über Mehrstimmrechte dauerhaft die Kontrolle über das erst sechs Jahre alte Unternehmen. Und schließlich teilen die beiden Gründer der verdutzten Finanzgemeinde in ihrer „Gebrauchsanweisung für Google-Aktionäre“ noch mit, dass sie nicht vorhaben, sich dem Diktat von Quartalsergebnissen zu unterwerfen. Stattdessen wollen sie der Anleger-Ikone Warren Buffet nacheifern und lieber den langfristigen Wert ihrer Firma steigern.

So richtig diese Leitlinien sind, so richtig bleibt aber auch der kapitalistische Grundsatz: Wer Investoren um Geld bittet, muss sie auch an der Macht teilhaben lassen. Wenn die Google-Gründer dazu nicht bereit sind, hätten sie ihre Firma lieber im Privatbesitz belassen sollen.

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