Kommentar

Gratulation – und jetzt an die Arbeit!

Barack Obama hat sich eine zweite Amtszeit im Weißen Haus erkämpft. Doch zum Feiern ist keine Zeit: Jetzt muss der Präsident die Probleme anpacken, die seit Monaten brach liegen. Und unangenehme Wahrheiten aussprechen.
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Obamas Siegesrede

Ein langer, quälender Wahlkampf ist zu Ende. Nach langem Zittern am Abend steht nun fest: Der alte Präsident ist auch der neue Präsident, Barack Obama bekommt - durchaus verdient - seine zweite Amtszeit. „Four more years“, „Vier weitere Jahre“, lautete zuletzt der Schlachtruf, und die hat Obama nun Zeit, sein Werk zu vollenden.

Nils Rüdel

Nils Rüdel ist Ressortleiter Politik bei Handelsblatt Online. Zuvor war er USA-Korrespondent in Washington und New York.

Ob es nun an seiner Bilanz lag oder an den wenig überzeugenden Vorstellungen seines Herausforderers Mitt Romney, ob die Amerikaner mit Obama einfach den Kandidaten wählten, der ihnen sympathischer ist, oder ob der Hurrikan „Sandy“ am Ende den Ausschlag gab – das alles ist im Moment noch Spekulation und Stoff für die kommenden Wochen.

Was jetzt zählt ist, dass der neue alte Präsident schnell die dringenden Probleme anpackt. Obama muss das gigantische Schuldenproblem angehen und seinen Landsleuten beibringen, dass die Zeit des Sparens und Maßhaltens begonnen hat. Seine Versprechen etwa, niemandem außer den Reichen im Lande ans Leder zu gehen, werden kaum zu halten sein.

Doch dass sich Obama nun keiner Wiederwahl mehr stellen muss, bedeutet nicht, dass er jetzt durchregieren kann. Im Gegenteil, es lauert die noch viel größere Herausforderung: Er muss über seinen Schatten springen und den politischen Stillstand in Washington überwinden, um die derzeit größte Gefahr für die US-Wirtschaft abzuwenden – die so genannte „Fiskalklippe“ („fiscal cliff“). Zum Jahreswechsel drohen automatische Steuererhöhungen und drastische Ausgabenkürzungen. Einigt sich die Politik nicht und stürzt Amerika ungebremst über die Klippe, könnte sich das Land schon bald in einer neuen Rezession wiederfinden.

Das zu vermeiden erfordert von Obama nun hohe Verhandlungskunst, doch das gehörte in der ersten Amtszeit nicht zu seinen Stärken. Zwischen dem demokratisch regierten Weißen Haus und dem mehrheitlich mit Republikanern besetzten Kongress herrscht seit ewigen Zeiten Funkstille, nicht zuletzt auch deshalb, weil die durch die Tea Party aufgepeitschte Rechte zu keinerlei Kompromiss mehr fähig ist. Die politische Klasse ist praktisch handlungsunfähig, und die Wahl am Dienstag hat an der Konstellation nichts geändert.

Dass die Republikaner nun verhandlungsbereiter sein werden, ist jedenfalls nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Für sie ist Romneys Niederlage ein Desaster. Sie haben es nicht geschafft, einen Präsidenten mit derart schwachen Wirtschaftsdaten aus dem Weißen Haus zu jagen. Die Partei wird sich deshalb in den kommenden Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigen. Das gibt wenig Hoffnung darauf, dass die Probleme des Landes endlich angepackt werden. 

 

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  • @ statesman

    Freut mich für Sie - Sie lassen sich eben nicht mehr verarschen und übervorteilen und dass ist gut so. Ich hoffe, es wachen noch mehr „Schafe“ auf und lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen.
    „Arschkriecher beim Spasten-Chef“ meinte ich natürlich.
    Ich bitte die Vertipper von vorhin zu entschuldigen, sitze vor so einem Miniteil von Tastatur und 7-Zoll Bildschirm!

  • @ ICeShadow

    Nix Prophet, sondern Realist!
    Wenn ich ein Haus nicht bezahlen kann, dann baue ich eben keines - so einfach ist dass!
    Wer eins baut, lebt die nächsten Jahrzehnte nur für sein Haus, welches er dann 30-40 Jahre lang abbezahlt. Nach 30 Jahren ist das Haus aber völlig veraltet und erfordert wieder 'zig Investitionskosten, dass ist die bittere Wahrheit.
    Dann geht man 30-40 Jahre lang buckeln, um das Haus abzubezahlen und hat am Ende doch nur wieder einen maroden, sanierungsbedürftigen Altbau. Auch darf in diesen 30-40 Jahren beruflich nichts schief gehen, sonst ist nämlich das Haus wieder weg und man sitzt auch einem riesigen Berg Schulden fest. Flexibel und ortsunabhängig ist man durch den kreditfinanzierten Hausbau ebenfalls nicht mehr.
    Da wohne ich lieber zur Miete, bin an keinen Ort gebunden und überlasse die Instandhaltung der Immoblie dem Vermieter.
    Nur wenn ich mir ein Haus leisten kann, macht sowas tatsächlich Sinn
    30-40 Jahre lang Schuldner der Banken zu sein, macht selbst dann, wenn die Zinsen wie momentan auf dem Tiefststand sind aus meiner Sicht keinen Sinn.

  • Obama hat seine Arbeit bereits erfolgreich aufgenommen. Seine erste Amtshandlung am heutigen Tag: Er hat Mitt Romney aus dem Wahlk(r)ampf entlassen und ihm gezeigt, wo die anderen Kinder spielen.

  • .. ich will mich gar nicht an diesem ganzen Schwall abwegiger Abstrusitäten durcharbeiten - nur soviel: der gute alte "Steuerzahler" - das sind in aller erster Linie die Reichen, nicht der achso-liebe Mittelstand. Wenn also jemand am ehesten ein Anrecht darauf hat, vom Staat, also vom Steuerzahler gerettet zu werden - dann sind dies nunmal die Reichen, denn sie tragen die überragende Hauptlast der Steuern!

    Ansonsten: 5 - setzen!

  • .. "durchaus verdient"e zweite Amtszeit!!? Keine Ahnung, wieso das Handelsblatt nun immer wieder glaubt, dem Obama-Kult frönen zu müssen: ob man nun glaubt, der linken Meute die vorauseilende Gleichschaltung anbiedern zu müssen, oder einen vermeintlichen Anstrich von "Objektivität" geben zu müssen, wenn man sich als Wirtschaftsmagazin für diesen linken Freiheitsbekämpfer ausspricht. Objektivität wäre doch einzig und allein nur DANN einmal gegeben, wenn es wenigstens EINMAL auch einen Pro-Romney-Kommentar gegeben hätte - aber offenkundig hat das bückfällige Handelsblatt nicht soviel Rückgrat!

    Ein trauriger Tag für die Freiheit - und es gibt nicht'mal einen Nachruf im Handelsblatt; stattdessen: Applaus! Erbärmlich ...

  • An diesen Propheten da oben: Nennen Sie mir einen "normalen" Menschen, der heute ein Haus aus Barmitteln zahlen kann. Absolut unrealistischer Blödsinn, den Sie verzapfen!

  • Tauschen ist möglich und noch besser, da keine Märchensteuer von 20 % anfällt.

  • Das was Sie vorschlagen, habe ich schon alles gemacht.
    Aber was meinen Sie mit "Atschkriecher beim Spastenchef"?
    Soll ich das auch noch machen?

  • Der US-Schwachsinn geht weiter.
    Wenn sich Obama mit dem Kongress gut stellen will, muß er doch einfach nur neue Drohnen bestellen.
    Dann ist er bei der Lobby der Kriegstreiber hoch angesehen.

  • Der gangbare Weg aus der Abhängigkeit des Schuldgeldsystems!
    Versucht nur noch bar zu bezahlen, vermeidet neue Schulden und baut eure Kredite und Dispos ab. Versucht nur noch das nötigste über die Banken abzuwickeln. Gebt eure EC- und Kerditkarten zurück. Kündigt alle nicht notwenidgen Versicherungs- und Aboverträge. Schließt notwendige Verträge nur noch mit kurzen Laufzeiten ab, damit sie jederzeit kurzfristig kündbar sind.
    Finanziert euer Leben nur mit dem, was ihr auch wirklich real im Geldbeutel habt, macht keine Schulden mehr für Konsumartikel, Häuser und Autos und ihr seid über kurz oder lang wieder frei. Ohne Schulden könnt ihr euer Leben wieder selbst gestalten, anstatt als Atschkriecher eurem Spastenchef jahrelang in den Arsch kriehcne zu müssen. Ihr seid frei gegenüber den Banken, denen ihr keine Zinsen mehr bezahlen müsst. Ihr werdet von Tag zu Tag freier, und bekommt eurer bisher auf Schuld aufgebautes Leben wieder in den Griff. Ich macht euch damit unabhängig von Abzocker-Banken, paranoiden Arbeitgebern und könnt euer Leben wieder selbst gestalten, anstatt es durch jahrelange Ratenzahlungen von anderen abhängig zu machen. Nehmt so wenig wie möglich am Schuldgeldsystem teil, zahlt bar und gebt nur soviel aus, wie ihr ohne Schuldenmachen ausgeben könnt. Fragt euch, was ihr wirklich zum Leben braucht und was nur unnötiger Prunk und Tant ist.

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