Kommentar
Griechenland droht das politische Chaos

Wut war die wichtigste Motivation für die Wähler in Griechenland. Doch die Zersplitterung der Parteilandschaft droht das Land weiter zu spalten. Griechenland droht neben dem finanziellen Desaster ein politisches Chaos.
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Die Griechen haben abgestimmt. Wofür, das ist angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse im neuen Parlament aus diesem Wahlergebnis schwer herauszulesen. Diese Wahl war vor allem ein Votum der Wut.

Sparen, sparen, sparen: Dieses Rezept sollte Griechenland vor dem drohenden Staatsbankrott retten. Die Pleite wurde zwar vorerst abgewendet. Aber die Sanierung der Staatsfinanzen wird mehr und mehr zu einer Rosskur. Die Medizin, die Griechenlands Gläubiger dem Land verschrieben haben, zeigt schlimme Nebenwirkungen. Die Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession, die Arbeitslosenzahlen steigen von Monat zu Monat, immer mehr Menschen rutschen in die Armut und ins Elend ab. Unter jetzt bahnt sich im Mutterland der Demokratie auch noch ein politisches Chaos an.

Bei der Parlamentswahl am Sonntag haben die beiden großen Parteien, die den Sparkurs stützten, die Quittung für ihre Politik bekommen. Vor allem die Sozialisten, die zwei Jahre lang das Land allein regierten, bekamen den Zorn der Wähler zu spüren. Schon in Umfragen vor der Wahl erklärte fast jeder Zweite, er wolle mit seiner Stimmabgabe vor allem „protestieren und bestrafen“.

Aber Wut ist kein guter Ratgeber. Wer wählt um zu strafen, läuft Gefahr, am Ende sich selbst zu schaden. Die politische Polarisierung und die Zersplitterung der griechischen Parteienlandschaft drohen das Land unregierbar zu machen und noch tiefer ins wirtschaftliche Elend zu stürzen. Griechenlands Gläubiger setzten auf eine Fortsetzung der konservativ-sozialistischen Koalition. Dafür scheint es rechnerisch nicht zu reichen.

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Kommentare zu " Kommentar: Griechenland droht das politische Chaos"

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  • wieder einmal panik in deutschland.es kommen neuwahlen und dann eine große koalition.cool bleiben und einen ouzo trinken!gia mas!

  • Die zahme Hilde sagt:

    In Deutschland, Italien usw. war es am im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts genauso: Keine Wirtschaft, keine Arbeitsplätze, nur Sparmaßnahmen, Inflation 1921-1923, bis 1930 die Faschisten die Oberhand bekamen. Nur in USA war es anders; die hatten F.D.Roosevelt, der Investitionspolitik betrieb und damit Arbeitsplätze schaffte und die USA aus dem Schlamassel herausführte. Warum fällt das den heutigen Ökonomen nicht ein? Sie wurschteln nur herum und machen alles nur noch schlimmer. Oder dürfen sie nicht anders?

  • Es gibt nur eine Lösung: raus mit den Griechen aus der Währungsgemeinschaft. Ein echter Staatsbankrott! Und das wichtigste: lasst sie alleine weiterwurschteln, mal sehen, wenn sie keine Alimente mehr bekommen!

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