Kommentar

Griechenland droht das politische Chaos

Wut war die wichtigste Motivation für die Wähler in Griechenland. Doch die Zersplitterung der Parteilandschaft droht das Land weiter zu spalten. Griechenland droht neben dem finanziellen Desaster ein politisches Chaos.
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Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen. Quelle: Judith Wagner

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen.

(Foto: Judith Wagner)

Die Griechen haben abgestimmt. Wofür, das ist angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse im neuen Parlament aus diesem Wahlergebnis schwer herauszulesen. Diese Wahl war vor allem ein Votum der Wut.

Sparen, sparen, sparen: Dieses Rezept sollte Griechenland vor dem drohenden Staatsbankrott retten. Die Pleite wurde zwar vorerst abgewendet. Aber die Sanierung der Staatsfinanzen wird mehr und mehr zu einer Rosskur. Die Medizin, die Griechenlands Gläubiger dem Land verschrieben haben, zeigt schlimme Nebenwirkungen. Die Wirtschaft rutscht immer tiefer in die Rezession, die Arbeitslosenzahlen steigen von Monat zu Monat, immer mehr Menschen rutschen in die Armut und ins Elend ab. Unter jetzt bahnt sich im Mutterland der Demokratie auch noch ein politisches Chaos an.

Stimmzettel als "Denkzettel"

Bei der Parlamentswahl am Sonntag haben die beiden großen Parteien, die den Sparkurs stützten, die Quittung für ihre Politik bekommen. Vor allem die Sozialisten, die zwei Jahre lang das Land allein regierten, bekamen den Zorn der Wähler zu spüren. Schon in Umfragen vor der Wahl erklärte fast jeder Zweite, er wolle mit seiner Stimmabgabe vor allem „protestieren und bestrafen“.

Aber Wut ist kein guter Ratgeber. Wer wählt um zu strafen, läuft Gefahr, am Ende sich selbst zu schaden. Die politische Polarisierung und die Zersplitterung der griechischen Parteienlandschaft drohen das Land unregierbar zu machen und noch tiefer ins wirtschaftliche Elend zu stürzen. Griechenlands Gläubiger setzten auf eine Fortsetzung der konservativ-sozialistischen Koalition. Dafür scheint es rechnerisch nicht zu reichen.

Schmerzgrenze überschritten
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34 Kommentare zu "Kommentar: Griechenland droht das politische Chaos"

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  • wieder einmal panik in deutschland.es kommen neuwahlen und dann eine große koalition.cool bleiben und einen ouzo trinken!gia mas!

  • Die zahme Hilde sagt:

    In Deutschland, Italien usw. war es am im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts genauso: Keine Wirtschaft, keine Arbeitsplätze, nur Sparmaßnahmen, Inflation 1921-1923, bis 1930 die Faschisten die Oberhand bekamen. Nur in USA war es anders; die hatten F.D.Roosevelt, der Investitionspolitik betrieb und damit Arbeitsplätze schaffte und die USA aus dem Schlamassel herausführte. Warum fällt das den heutigen Ökonomen nicht ein? Sie wurschteln nur herum und machen alles nur noch schlimmer. Oder dürfen sie nicht anders?

  • Es gibt nur eine Lösung: raus mit den Griechen aus der Währungsgemeinschaft. Ein echter Staatsbankrott! Und das wichtigste: lasst sie alleine weiterwurschteln, mal sehen, wenn sie keine Alimente mehr bekommen!

  • @delinix

    Sie sind bisher für mich die einzige Fahne, die die Lage in Griechenland richtig, logisch und umfassender zuordnet. Zwar vermiss ich noch Hinweise auf mafiöse Strukturen, ahnungslose Bankanalysten, die Ausschmückung
    eine "rotten Staatsgefüges", Einflussnahme "gewisser Kräfte" ( z.B Person Karamanlis) auf GR Politik/Wirtschaft, gleichwohl: Kompliment für ihren Sachverstand. Nach meiner Auffassung ist uns die ganze Tragödie im Ausmass noch gar nicht voll geläufig. GR ist mit diesen Strukturen auf keinen Fall auf Niveau zu halten, sprich die Müllhalde bricht fürchterlich ein und legt mit Eleganzia gewisse Bankstrukturen richtig aufs Kreuz. Zypern lässt übrigens ebenfalls nette Grüsse ausrichten.
    Merkel traegt keine Schuld, sondern die langjaehrige Finanz-/Europapolitik nicht nur grössenwahnsinniger weltfremder Europäer gilt es als Auslöser zu benennen.
    Das griechische Ego genoss den leistungsfreien Aufstieg ins nunmehrige Jammertal.
    Hellas ist immer noch nicht aufgewacht...

  • Note 1 setzen, alles verstanden.

  • @ robertocasiraghi

    Ich widerspreche. Es geht und es ging nicht darum den Griechen, dem griechischen Volk zu helfen, sondern nur darum ausländische griechische Gläubiger, die ihre Forderungen zumm Teil auf dunklen Wegen erworben haben, finanziell zu befriedigen.

    Es geht nicht um Solidarität mit Griechenland, um Hilfe für Hungernde um Medikament für Arme sondern es geht um Geld für die, die den Rachen nicht vollkriegen können! Die Banken bzw. letztlich die Privatpersonen, denen diese gehören.

  • @EuropaJa: Sie sehen in Ihrer Argumentation keinerlei Widersprüche? Wenn nein, sind sie intellektuell ein glücklicher Mensch. Schlafen Sie weiter!

  • @Delinix
    "Die Griechen haben stets nur das umgesetzt, was gerade noch ohne nennenswerten Widerstand in der Bevölkerung umzusetzen war"
    Das stimmt nicht, sie vergessen die Proteste der letzten 2-3 Jahre und natürlich die Tatsache, dass es bekannt war, dass die 2 Parteien, die das sogenannte "Sparen" von Mercozy wollten, immermehr die Unterstützung des Volkes verloren haben (vor 3 Jahren über 80%, nun knapp über 30%...)

  • @ Profit

    Das ist die Frage. Sind sie da so sicher? Schauen Sie sich mal den Film Debtocracy an.

  • Schön ausgedrückt. Ich meine Sarah Wagenknecht bringt es als einzige Politikerin auf den Punkt: Was gerade geschieht ist eine Übernahme der Macht durch die Konzerne.

    Das Ergebnis wird irgendetwas zwischen Plutokratie und Faschismus sein. Wir streben auf das 4. Reich zu. Der ESM-Vertrag hat dabei die Bedeutung eines Ermächtigungsgesetzes.

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