Kommentare

_

Kommentar: Gut für den Euro - und für Deutschland

Die EU-Finanzminister einigen sich auf eine zentrale Bankenaufsicht bei der EZB. Sie fällen damit eine wegweisende Entscheidung und machen den Euro krisenresistenter. Ein Kommentar.

Die Bankenskyline von Frankfurt am Main. Quelle: dapd
Die Bankenskyline von Frankfurt am Main. Quelle: dapd

BrüsselDie Finanzminister mussten noch einmal eine Nachtschicht einlegen, dann war es geschafft: Die Euro-Zone bekommt eine zentrale Bankenaufsicht, an der sich voraussichtlich auch eine ganze Reihe von Nicht-Euro-Staaten freiwillig beteiligen werden. Nur Großbritannien bleibt auf jeden Fall außen vor, vielleicht auch Tschechien und Schweden.
Für den Euro ist das eine sehr gute Nachricht. Es war allerhöchste Zeit, die nationalen Aufsichtsämter zu entmachten. Denn sie standen unter dem Einfluss von Politikern, die immer wieder eine schützende Hand über ihre Banken hielten und so notwendige Sanierungsmaßnahmen verhinderten. Spanien ist dafür ein Beispiel. Die spanischen Sparkassen hätten ihre durch die geplatzte Immobilienblase entstandenen Kapitallücken viel früher füllen müssen. Doch die spanische Bankenaufsicht schaute weg und die Regierung in Madrid hat das Problem auch verdrängt. So kam es wie es kommen musste: Der Euro-Rettungsschirm hilft den spanischen Banken mit Krediten.

Anzeige
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.

Ähnlich läuft es in Zypern. Auch dort hat die nationale Bankenaufsicht versagt und der Euro-Rettungsschirm muss helfen. Nationale Behörden machen ihre Arbeit nicht und die Steuerzahler der ganzen Euro-Zone müssen dafür zahlen? So kann es nicht weitergehen. In die EZB reicht der nationale politische Einfluss (hoffentlich) nicht, daher ist die Bankenaufsicht bei ihr gut aufgehoben.

Auch die deutschen Steuerzahler können sich freuen. Denn auch hierzulande hat die Bankenaufsicht immer wieder weggeschaut: Bei der WestLB ist das schon vor der Finanzkrise geschehen. Die Manager der Landesbank spielten Roulette auf den Finanzmärkten und die Bankenaufseher nahmen es hin. Die Bundesbürger hat das sehr viel Geld gekostet. Die Finanzkrise förderte zutage, dass die Bankenaufsicht auch bei anderen Instituten - von Hypo Real Estate bis zu diversen anderen Landesbanken - sehr großzügig verfuhr. Das Versagen der deutschen Bankenaufsicht kommt die Bundesbürger viel teurer zu stehen als die Rettung Griechenlands.

Nun also die EZB: Bis 2014 soll die Bankenaufsicht dort ihren Betrieb voll aufgenommen haben. Man muss hoffen, dass die Zentralbank es besser macht. Schlechter kann es kaum werden.

 

  • 13.12.2012, 09:36 Uhr

    Die EZB (bzw. die nationalen Notenbanken) finanziert marode Banken, die sie als Aufseher längst schließen müsste...

    Wie soll das funktionieren?!?

  • 13.12.2012, 09:43 Uhr

    Die Aussagen von der Autorin, dass die nationalen Aufseher hier und da versagt haben ist nicht ganz falsch. Allerdings wurde zumindest in Deutschland die Aufsicht von den Parlamenten ausgebremst, wenn es um Landesbanken & Co. ging, von Wegsehen der Aufsicht kann nicht die Rede sein. Disqualifiziert hat sich die Autorin allerdings mit ihrer inhärenten Aussage, dass mit der zentralen Aufsicht (und dann noch bei der Notenbank!!) alles besser werde. Man muss kein Kenner der Aufsicht sein um festzustellen, dass alleine die personelle Besetzung der obersten Organe von EU und EZB eine wirkungsvolle und neutrale Aufsicht von vornherein ausschließen. Peinlich naiv, was da im HB-Artikel suggeriert wird...

  • 13.12.2012, 09:44 Uhr

    Es wird ja langsam Frau Berschens.

    Allerdings muss man bei der Bankenaufsicht ein bisschen diversifizieren.
    Spanien, Portugal und Zypern haben/hatten ein echtes Problem mit der Bankenaufsicht, da diese einem Kredit-finanzierten Immobilienboom zugesehen haben und nicht eingeschritten sind.
    HRE in GER, Irland, manche Landesbanken in GER hatten/haben eine funktionierende Aufsicht, bei denen auch die Risiken eigentlich gut abgesichert waren. Aber was will man machen, wenn AAA geratede Papiere nichts mehr Wert sind?

    Ihr Einwand ist gut Frau Berschens, aber ich weiss nicht ob ich das Risiko von Banken übernehmen will, die 10 mal mehr Schulden haben als die gesamten Südländer zusammen. Ich denke mal die Ratingargenturen werden den Ländern den Zusammenhang erklären.

  • Kommentare
Gastbeitrag: Gründer in die Familienunternehmen!

Gründer in die Familienunternehmen!

Es ist paradox: Immer mehr junge Menschen wollen sich selbständig machen – aber viele Familienunternehmen keinen Nachfolger. Wie wäre es, wenn man die Start-up-Gründer für den Mittelstand begeistert?

Kommentar: Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Politiker sehen Google als das Böse in bunter Gestalt. Doch eine Zerschlagung des Konzerns, wie das EU-Parlament sie nun fordert, ist Populismus – schon jetzt könnte man seine Macht begrenzen. Es tut nur niemand.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Die Insel der Antieuropäer

Die Insel der Antieuropäer

David Cameron verbeugt sich vor den rechten Eiferern. Die EU lobt Deutschland. Und: Scheidungen in der Finanzbranche sind teuer. Lesen Sie hier die Themen dieses Tages.

What's right?: Wo bleibt die Hessenquote?

Wo bleibt die Hessenquote?

Die Einführung der Frauenquote ist ein Sieg politischer Korrektheit und eine Niederlage der freien Leistungsgesellschaft. Wer glaubt, dass Deutschland dadurch moderner wird, denkt ziemlich altmodisch.

Der Werber-Rat: Wo sich Spieler nah geben

Wo sich Spieler nah geben

Auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram geben sich Fußballspieler gerne volksnah und lassen Fans an ihrem Leben teilhaben. Das Paradoxe daran: Im wahren Leben schotten sich viele Stars bewusst ab.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Griechenland-Rettung: Wie ein Notfall-Schnaps für Alkoholiker

Wie ein Notfall-Schnaps für Alkoholiker

Griechenland wird ein drittes Hilfspaket bekommen, und zwar schon sehr bald. Athen setzt auf Zeit – und kann als Schuldner die Gläubiger erpressen. Folge: Die Euro-Krise wird sich wieder verschärfen. Ein Gastbeitrag.

Gastbeitrag zur Quote: Frauen, alle sind dafür, keiner hat sie

Frauen, alle sind dafür, keiner hat sie

Die nicht enden wollende Debatte über die deutsche Version der Genderquote lässt staunen, was in einem Land mit einer solch herausragend gut ausgebildeten Frauengeneration immer noch möglich ist: Für Frauen nicht viel.

Steuerpolitik: Neid essen Verstand auf

Neid essen Verstand auf

Der Ruf nach einer Erhöhung der Kapitalertragsteuer wird lauter. Ein Plädoyer für eine investitionsfreundliche Besteuerung in zehn Thesen. Aktionäre dürfen nicht länger bestraft werden.

  • Presseschau
Presseschau: Eklat wegen Hypo-Teilverkauf

Eklat wegen Hypo-Teilverkauf

Der Krach um die Hydro Alpe Adria eskaliert: Die BayernLB will nun 2,4 Milliarden Euro von Wien – zahlbar binnen 14 Tagen. Die Wirtschaftspresse meint: München grollt, Wien schäumt.