Kommentar
Halten Sie durch, Herr Präsident!

Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, den die Bild-Zeitung aus dem Amt jagt. Wir brauchen aber einen, der in die Offensive geht und das Amt des Bundespräsidenten endlich so ausfüllt, wie es angelegt ist.
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Der Bundespräsident telefoniert mit der Mailbox des Chefredakteurs der Bild-Zeitung. Von diesem Telefonat haben, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen ist, zwei Menschen gewusst: der Anrufer und der Angerufene. Drei Wochen später findet sich der Wortlaut dessen, was auf der Mailbox zu hören war, in zwei Zeitungen wieder. Christian Wulff dürfte nicht derjenige gewesen sein, der ein Interesse daran gehabt hat, dass dieses Telefonat öffentlich wird. Wer also hat geplaudert? Eben.

Die Szene zeigt zweierlei. Erstens: Auf Wulff hat eine mediale Hetzjagd begonnen. Und: Wulff hat den Zeitpunkt diese Jagd selbst zu beenden, längst verpasst. Er hat sich hoffnungslos in den Fangseilen verheddert, die all diejenigen auswerfen, die aus purem Jagdeifer unterwegs sind. Gerade deswegen sage ich aber: Halten Sie durch, Herr Präsident! Schlagen Sie diesen Jägern einen Haken! Wir brauchen keinen Bundespräsidenten, den die Bild-Zeitung aus dem Amt jagt.

Was wir allerdings brauchen, ist ein Bundespräsident, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt. Einen, der weiß, dass die halbe Wahrheit eine ganze Lüge ist und einen, der nicht scheibchenweise immer das zugibt, was in der Öffentlichkeit sowieso schon Allgemeingut geworden ist. Bisher sieht es noch so aus, als haben Sie, Herr Wulff, genau das zu Ihrem Prinzip erklärt. In der Affäre um den Privatkredit wird sich dieser Eindruck auch nicht mehr beseitigen lassen. Meine Hoffnung ist aber: Sie lernen daraus, Herr Präsident.

Meine Hoffnung ist auch, dass Sie sich diese Chance verdienen. Und zwar dadurch, dass Sie das Amt des Bundespräsidenten endlich so ausfüllen, wie es angelegt ist: Es ist ein Amt für jemanden, der mutige Worte findet. Für jemanden, der einen Standpunkt hat, ohne andere auszugrenzen. Für jemanden, der in einer Krise das Ziel vorgibt, für das sich der Einsatz lohnt. Der sagt, warum wir den Euro verteidigen wollen und wie viel uns das Ganze wert sein muss. Der sagt, warum die Energiewende in Deutschland richtig ist und unseren Nachbarn erklärt, dass es sich lohnt, dem deutschen Beispiel zu folgen. Der deutlich macht, wie viel Hilfe Banken brauchen dürfen, wenn Krise herrscht und wo die Grenze ist.

Davon sind Sie, Herr Wulff bislang ziemlich weit entfernt. Mit Ihrer Sprachlosigkeit bei den entscheidenden Fragen, haben Sie sich so sehr geschadet, dass Sie eine an sich banale Frage wie die nach Ihrem privaten Kredit bereits in politische Not bringen konnte. Damit muss Schluss sein. Herr Wulff, Sie haben das Wort!

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • 1. BILD hat das Telefonat mit Wulff längst veröffentlicht - jedenfalls Passagen, die für BILD unschädlich sind. Der Originalton wurde vielleicht verschwunden: nie werden wir erfahren, ob die Niederschrift wahr und vollständig ist, oder redigiert? – Falls W. Verunglimpfungen seiner Frau beanstandet hat, wird er das Telefonat mit Rücksicht auf sie nicht freigeben. Das wusste BILD bei der geheuchelten Bitte um Genehmigung.
    2. Inzwischen langweilen die Vorwürfe von BILD/FAZ:
    • Der Geerkens-Zwischenkredit ist laut Staatsanwalt o.k. • Ferien in der Maschmeyer-Villa hat W. bezahlt, Ferien bei Familie G. waren natürlich unentgeltlich (würden Sie von alten Freunden Geld dafür verlangen; sollte W. stets ein halbes Hotel für sich und die Security mieten?). • Der Zins des BW-Darlehens war Anfang Dezember vereinbart, am 12. Dez. lag Wulff der Vertragstext vor, von der Bank unterschrieben – und trotzdem meint die früher sachkundige FAZ, er hätte den Zins nicht “fixiert“ nennen dürfen! Die Verirrungen der FAZ gipfeln in der bizarren Idee Schirrmacher’s, ein MinPräs solle gefälligst zur Miete wohnen. • W. hat anscheinend gebeten, einen Artikel zwei Tage lang nicht zu veröffentlichen, bis er nach Rückkehr die Fakten erläutert. Vielleicht hat er auch angekündigt, sich rechtlich gegen Verunglimpfungen zu wehren. Für gesetzestreue Journalisten ist das keine Drohung. Zittert seitdem die BILD-Redaktion? Ist das ein Eingriff in die Pressefreiheit?
    3. Was bleibt? Die Beflissenheit vieler Journalisten, mit der sie der BILD/FAZ-Kampagne nachlaufen. Tendenziös heißt es: W. räumt ein, gibt zu, hat eingestanden statt einfach nur “hat mitgeteilt“. Getitelt wird “Wulff bricht Gesetz“, obwohl der zitierte Professor sagte, er sei sich nicht sicher. Jede Handlung Wulffs – auch sein Geburtstag? - wird als Reaktion auf einen BILD-Artikel gedeutet: von Schnitzler/DDR lässt grüßen. – Hilft es, wenn demnächst Diekmann(BILD) durch Schirrmacher(z.Zt.FAZ) ersetzt wird? Ja vielleicht bei der FAZ.

  • Will BILD die Präsidentengattin Bettina Wulff attackieren?

    Darf BILD das jetzige und frühere Privatleben der Präsidentengattin ausforschen und breittreten? Darf Wulff sich darüber aufregen und per Telefon beschweren? War es unbedacht, bei BILD einen Funken Anstand zu vermuten? Warum wohl veröffentlichen BILD und FAZ nicht die vollständige Mitschrift des Telefonats mit Wulff?

    Schauen Sie mal in die Tagesschau vom 02.01.2010, 15.00 Uhr, etwa zweite Sendeminute … .
    So geht’s: www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts31176.html

  • Will BILD die Präsidentengattin Bettina Wulff attackieren?

    Darf BILD das jetzige und frühere Privatleben der Präsidentengattin ausforschen und breittreten? Darf Wulff sich darüber aufregen und per Telefon beschweren? War es unbedacht, bei BILD einen Funken Anstand zu vermuten? Warum wohl veröffentlichen BILD und FAZ nicht die vollständige Mitschrift des Telefonats mit Wulff?

    Schauen Sie mal in die Tagesschau vom 02.01.2010, 15.00 Uhr, etwa zweite Sendeminute … .
    So geht’s: www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts31176.html

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