Kommentar
Heute ein König, morgen ein Diener

Sigmar Gabriel hat die Basis hinter sich gebracht. Doch der Triumph währt nur für einen Tag. Am Sonntag hat er die Ministerposten offiziell verkündet – und darin liegt ein großes Risiko für den SPD-Chef.
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DüsseldorfSigmar Gabriel hat seine Sozialdemokraten davon überzeugen können, dass die Große Koalition mir der Union eine gute Sache sei. Er hat die Basis gefragt, und sie hat sich für sein Anliegen entschieden. Manch einer zähneknirschend, aber letztlich eben verantwortungsbewusst, denn das Chaos, dass ein mehrheitliches „Nein“ ausgelöst hätte, mochten sich auch die Kritiker nicht antun.

Gabriel und jene, die er nun als Regierungsmannschaft aufstellt, sind die Sieger in diesem Prozess, der nicht von Anfang ein Selbstläufer war. Doch der Triumph währt nur für einen Tag.

Am Sonntag schon ist er so alt wie die Zeitung von gestern. Aus König Sigmar wird dann Diener Gabriel. Denn dann geht es um die Rollenverteilung in der Regierungsmannschaft und da wird Gabriel derjenige sein, dem als Wirtschafts- und Energieminister eine verantwortungsvolle Aufgabe zufällt.

Unter den Augen der Kanzlerin und kontrolliert von einem Finanzminister, der wahrscheinlich wieder Wolfgang Schäuble heißt, kann er nicht Parteipolitik, sondern muss Wirtschaftspolitik betreiben. Er muss liefern und er kann nicht ausscheren.

Dabei die Partei weiter bei Laune zu halten, daran sind andere schon regelmäßig gescheitert– von Schröder bis Steinmeier. Die Lage ist also auch nach der Mitgliederentscheidung nicht komfortabel. Gabriel hat jetzt eine Schlacht gewonnen, die Wahl aber hat er noch immer verloren.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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