Kommentar
Historischer Kompromiss

Freihandel ist gut. Und Freihandel ist simpel. Die Regierungen müssen nur den Zugang zu ihren Märkten öffnen. Und sie müssen Subventionen streichen.

Die Verbraucher erhalten dann für ihr Geld mehr Auto oder mehr Anzug. Die Unternehmen verkaufen zu Hause und auf den globalen Märkten mehr Waren. Die Welthandelsorganisation (WTO) wirbt für dieses gute und simple Rezept. Nur: Viele Politiker und Bürokraten können oder wollen dies einfach nicht begreifen.

Jetzt hat sich die EU zu einem liberaleren Handel mit dem Rest der Welt durchgerungen. Zumindest haben die Europäer das in Genf versprochen. Damit kommt die Welthandelsrunde der WTO wieder in Schwung. Ein Gewinner könnte die exportorientierte deutsche Wirtschaft sein. Langfristig dürfte sogar auch der deutsche Steuerzahler davon profitieren.

Denn Brüssel hat sich grundsätzlich bereit erklärt, bestimmte milliardenschwere Agrarsubventionen für Europas Bauern zu kappen. Bislang hat das trotzige Festhalten an den üppigen Hilfen eine fatale Kettenreaktion ausgelöst: Die armen Bauern der Entwicklungsländer konnten mit den reichen Agrarkonkurrenten des Nordens nicht mithalten. Im Gegenzug errichteten die Regierungen in Asien, Afrika und Lateinamerika Zollmauern um ihre Märkte für Industriegüter und schlossen europäische und amerikanische Banken und Versicherungen aus.

Bei diesem destruktiven Machtspiel muss aber der Stärkere nachgeben: Und das ist die EU. Sie sollte jetzt beherzt den europäischen Bauern die lieb gewordenen Prämien, Subventionen und Zuschüsse zusammenstreichen. Dann haben die Armen der Welt keinen Vorwand mehr, sich abzuschotten. Und die WTO-Länder könnten in einigen Jahren, vielleicht schon 2005, einen neuen Welthandelsvertrag abschließen. Der globalen Wirtschaft würde dann die Riesensumme von 500 Milliarden Dollar an Wohlfahrtsgewinn zufließen.

Die langfristigen Perspektiven sind noch verlockender: Hunderte Millionen Menschen in den Entwicklungsländern könnten sich durch freien und fairen Handel selbst aus ihrer Armut befreien. Gleichzeitig würden die Rufe nach immer neuer Entwicklungshilfe verstummen. Eine Chance tut sich auf.

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