Kommentar
Hochmut im Fall

Im Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik spielt sich in diesen Wochen ein Vorgang ab, den man ohne Übertreibung als historisch einmalig bezeichnen darf: Wir erleben einen Aufstand der Berufsdiplomaten gegen ihren eigenen Chef. Was zunächst nur immer lauter hinter vorgehaltener Hand zu hören war, hat der deutsche Botschafter in der Schweiz jetzt öffentlich gemacht.

Diejenigen, die Deutschland im Ausland vertreten sollen, fühlen sich von ihrem Minister nicht mehr vertreten. Dabei geht es nicht um einzelne Fehler und Versäumnisse, nicht allein um die Visa-Affäre oder den Nachruf auf verstorbene Diplomaten, die Mitglieder der NSDAP waren. Es geht um den ganzen Stil Fischers, die Herrschaft seines Frankfurter Küchenkabinetts im Auswärtigen Amt, um die mangelnde Professionalität der deutschen Außenpolitik.

Natürlich kommt dieser Aufstand der Berufsdiplomaten reichlich spät. Und es ist auch kein Wunder, dass er von einem Botschafter im Rentenalter angeführt wird, der nichts zu verlieren hat. Dass sich viele Beamte erst jetzt nach vorn trauen, wo der Außenminister bereits ins Wanken geraten ist, kann man als mangelnden Mut vor Fürstenthronen kritisieren. Am politischen Gesamtbefund ändert das jedoch nichts: Fischer hat seine Mannschaft nicht mehr im Griff. Und diesen Befund hat er nicht parteipolitischen Intrigen zu verdanken, sondern ganz allein sich selbst. Mit seiner Arroganz hat der Bundesaußenminister sein Amt erst zum Kuschen gebracht und nun zur Rebellion getrieben. Alle Dinge, die ihn jetzt unter Druck bringen, sind das Resultat einer arroganten Missachtung der Wirklichkeit und jener Menschen in seinem Wirkungskreis, die mit wirklichen Erfahrungen ideologische Vorgaben falsifizieren. Fischers Hochmut zeigt sich selbst jetzt noch im politischen Fall. Wer die Kritik seiner Diplomaten als Intrigen parteipolitischer Gegner abqualifiziert und mit dem Beamtenrecht droht, begreift nichts.

Vielleicht kommt er damit sogar noch einmal durch: Als Galionsfigur der Regierungskoalition bleibt Fischer stark, auch wenn er als Außenminister nur noch eine schwache Figur abgibt.

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