Kommentar
Höchstens gut gemeint

Die Bank der Zukunft ist noch nicht erfunden. Daran ändert auch das jüngste Expertenpapier aus Brüssel nichts. Es hinterlässt mehr Fragen als Antworten.
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DüsseldorfWunderbare neue Welt! Da trennen wir die Zocker aus dem Investmentbanking vom sauberen Rest einer Bank ab - und schon ist die Gefahr einer Bankenrettung durch den Staat, gebannt. Wenn es doch so einfach wäre!

Die Experten um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen und den ehemaligen Risikovorstand der deutschen Bank Hugo Bänziger schlagen vor, „den Eigenhandel mit Wertpapieren und Derivaten und andere eng damit verknüpfte Aktivitäten“ vom Rest der Bank abzutrennen. Das klingt gut. Es klingt so, als würde das Geld von Kunden geschont, wenn sich die Jungs vom Eigenhandel mal wieder verspekuliert haben. Und es hört sich so an, als würde die abgetrennte Investmentbank jederzeit dicht machen können, ohne dass das verheerende Folgen für die ganze Bank oder sogar eine ganze Volkswirtschaft haben könnte.

Doch was gut klingt, ist noch lange kein Konzept für die Wirklichkeit. Der Vorschlag der Experten beinhaltet mehr Fragen, als dass er eine Lösung aufzeigt.

Erstens weiß niemand, was tatsächlich mit Eigenhandel genau gemeint sein könnte. Es geht um Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Devisen und Derivaten, Routine für eine Bank also. Er soll, so fordern die Experten, dann vom Kerngeschäft einer Bank getrennt werden, wenn er auf eigene Rechnung stattfindet. Der Gedanke dahinter: Eine Bank, die auf eigene Rechnung handelt, spekuliert - und genau das soll sie nicht.

Was die Experten überhören, ist, dass die deutschen Geldhäuser durch die Bank weg beteuern, Eigenhandel nur noch zum Wohle ihrer Kunden zu betreiben. Die Grenze, wo der Handel im Interesse von Kunden und wo er allein aus eigenem Bankeninteresse abgewickelt wird, ist mindestens unscharf. Ja, sie ist sogar dehnbar mit der Folge, dass derzeit fast alle Geldhäuser dabei sind, den Eigenhandel umzuinterpretieren.

Zweite Hürde für den Experten-Vorschlag: Eine rechtlich selbständige Investmentbank, die aber doch durch ein gemeinsames Dach mit dem Rest der Bank verbunden ist, führt schnell zu ungeordneten Familienverhältnissen. Spekuliert sich die Investmentbank in Grund und Boden, zieht sie unweigerlich auch anderer Teil des Unternehmens in den Abgrund. Denn zumindest der Ruf des ganzen Geschäfts ist ruiniert, wenn die eine Hälfte pleite macht. Was das für Aktienkurs und Kundenvertrauen bedeutet, können sich diejenigen, die im sicheren Teil der Bank arbeiten, in grellen Farben ausmalen.

Dass schließlich eine Bank durch das bloße Aufbewahren und Verleihen von Geld in einer Niedrigzinsphase wenig Gewinn machen kann, ist auch den Experten klar. Also muss sie investieren, was angesichts von Staatsanleihen, die wenn sie sicher sind, keine Rendite bringen, ein immer risikoreicheres Geschäft geworden ist. Niedrige Zinsen, kaum Rendite auf sichere Staatsanleihen - all das sind Folgen der Finanz- und Schuldenkrise. Wir bezahlen für diese Krise den hohen Preis zunehmender Unsicherheit.

Die Liikanen-Gruppe kennt diese Probleme. Dass sie sich dennoch nicht scheut, ihren Vorschlag zu machen, ist gut gemeint. Manchmal ist das leider das Gegenteil von richtig gut.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • "Der Vorschlag der Experten beinhaltet mehr Fragen, als dass er eine Lösung aufzeigt."
    Ja, weil dieser Vorschlag beliebiges Verstehen ermöglicht und dieser deshalb von dem in seinem Interesse gedeutet wird, der die Macht über das Verstehen hat. Unterstützt z.B. auch mit dem Investmentgesetz, mit dessen Kauderwelsch in seinem § 2 Begriffsbestimmungen. Ein "gut gemeinter" Vorschlag muss abgeleitet werden aus:"Wie jedes andere Unternehmen "lebt" auch eine Bank vom Verkauf. Sie verkauft den Gebrauch von Geld, das ihnen gehört, um damit mehr Geld realisieren zu können. Und sie verkauft Papiere gegen mehr Geld als für deren Erwerb oder Produktion mit ihrem Geld bezahlt wurde, und die den Käufern dieser Papiere mehr Geld versprechen als sie für die Papiere bezahlen müssen. Beides kann als Handel mit Geldware bezeichnet werden. So lange die Eigentümer der Bank Eigentümer dieser Geldware sind, tragen sie, wie auch die Eigentümer anderer Unternehmen, einen möglichen Verlust aus diesem Handel selbst. Eigentümer (Unternehmer/ Private), die sich an diesem Handel beteiligen wollen, um aus ihrem Geld ebenfalls mehr Geld machen zu wollen - die "Freiheit" für eine solche Entscheidung sollte ihnen nicht genommen werden - , tragen aber dann auch einen möglichen Verlust aus ihrer Beteiligung an diesem Handel selbst. Also: Nicht Banken oder deren Geschäftsfelder sind zu trennen, sondern der Handel mit Geldware ist zu "trennen" vom Geld der Eigentümer, die sich daran nicht beteiligen. Und auch denen sollte die "Freiheit" für ihre Entscheidung, sich nicht zu beteiligen, nicht genommen werden. Zu den Eigentümern gehören auch diejenigen, die den Staat beauftragen/ ermächtigen. sich an diesem Handel zu beteiligen."

  • Im Gegenteil, der Umgang mit Stresstests zeigt, dass dem Staat an weiterer Verschleierung gelegen ist.

    WENIGER REGULIERUNG – MEHR MARKTWIRTSCHAFT!

  • 1) Bank Manager muessen im Interesse ihre Aktionaere handeln! Boni sind in Ordnung, wenn sie denn von den Eigentuemern festgelegt werden und nicht von den Managern selbst zum Nachteil ihrer Aktionaere. Manager haben sich mit riskanten Geschaeften (Staatsanleihen) zum Nachteil ihrer Aktionaere bereichert.

    2) Der Filz zwischen Bank Managern und staatlichen Kreditnehmern muss unterbunden werden! Staaten wenden ueble Tricks an, um den Kreditfluss an bereits ueberschuldete Staaten aufrechtzuerhalten. Der Umstand, dass Staatliche Anleihen mit weniger Eigenkapital unterlegt werden muessen, als andere Geschaefte lenkt Kredite in hochriskante Staatsanleihen und laesst die Kredite an die Wirtschaft schrumpfen. Ueber ihre selbst festgelegten Boni verdienen Bankmanager praechtig daran.

    3) Es muss endlich wieder dem Prinzip der vollstaendigen Glaeubigerhaftung Geltung verschafft werden. Wer ein Risiko eingeht, muss dafuer auch haften. Banken muessen pleitegehen koennen!

    4) Einlagensicherung dient nur dem Ziel, den Eindruck zu erwecken, die Einlagen seien sicher und die Staatskreditorgie koenne weitergehen. Abgesehen davon ist es absurd, Versicherungen abschliessen zu koennen, die auch Altschaeden vor dem Zustandekommen der Versicherung zu begleichen.

    4) Banken duerfen nicht so gross werden, dass sie das System gefaehrden! Da grosse, systemreevante Banken auch eine zu grosse Marktmacht besitzen ist die Kartellgesetzgebung ein vielversprechender Ansatz.

    5) Bankenrettung durch Steuerzahler ist absurd! Nicht nur werden Steuergelder veruntreut, es wird auch ein krankes System aufrechterhalten, wenn man todsterbenskranke Institute am Leben haelt.

    6) Der Staat hat seine Regulierungsmoeglichkeiten zu seinem unfairen Vorteil genutzt (siehe niedrige Eigenkapitalunterlegung von Staatskrediten). Viel wichtiger als Regulierung ist Transparenz, damit Kunden und Geschaeftspartner der Banken das Risiko einschaetzen koennen. Wenig ist hier geschehen. Im Gegenteil, der Umgang mit Stresstest

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