Kommentar
Huawei ist das Opfer

Der Technikkonzern aus Shenzhen leidet doppelt: Zu Spionagevorwürfen aus Washington kommen Zweifel am Sicherheitsniveau hinzu. Dabei arbeitet das Unternehmen selbst daran, als sicherer Qualitätsanbieter zu erscheinen.
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PekingDie jüngsten Enthüllungen über die Machenschaften der NSA machen dem chinesischen Netztechnikhersteller Huawei neue Probleme. Wenn sich der amerikanische Geheimdienst frei im Netz des Unternehmens bewegen konnte, was sagt das über die eigene Gefahrenabwehr des IT-Konzerns aus? Was sagt es über das Sicherheitsniveau, das die Kunden erhalten? Bedeutet es, dass die NSA es seitdem leicht hatte, über Huawei-Rechner in die Netze von Firmen und Behörden einzudringen?

Huawei ist inzwischen in doppelter Hinsicht ein Opfer. Die USA verweigern dem Unternehmen den Zugang zu ihrem Markt und schieben Spionagegefahr als Grund vor: Die Router des Unternehmens seien ein Einfallstor für die Chinesen. Die neuen Nachrichten lassen die Hardware des beliebten Anbieters nun als mögliches Einfallstor für die Amerikaner erscheinen.
Es stimmt beides zugleich – und keins von beidem. In der Realität wird Netzwerkausrüstung beider Seiten von Geheimdiensten für Schnüffelei missbraucht – den Cyber-Agenten ist es dabei völlig egal, welches Typenschild auf dem Gehäuse klebt.

Aus Sicht der chinesischen Regierung hat es dabei keinen Sinn, Huawei zum direkten Handlanger der eigenen Sicherheitsbehörden zu machen. Das oberste Ziel der Planer in Peking ist derzeit der Aufbau von erstklassigen Unternehmen, die eines Tages Weltruf genießen sollen. Einflussnahme des Militärs oder des Staatschutzes wäre da nur schädlich.

Das Unternehmen selbst arbeitet derzeit hart daran, ein Image als sicherer Qualitätsanbieter aufzubauen. Nach den neuen NSA-Enthüllungen geht es nun zunächst fast weniger darum, den Verdacht einer chinesischen Einflussnahme zu zerstreuen als den einer Nutzung durch die Daten-Krake USA. Die Profis in den Telekommunikationskonzernen sollten sich von den aktuellen Nachrichten nicht zu sehr verunsichern lassen - zumal sie angesichts der vorangehenden Enthüllungen nur noch wenig überraschen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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