KOMMENTAR
Im Zeichen des Ostens

Die Klagen sind noch nicht sehr alt. Noch beim 15. Jahrestag der deutschen Einheit beklagten viele eine personelle Schieflage im Land.

Ostdeutsche hätten in der bundesdeutschen Politik nicht viel zu sagen, würden von „Wessis“ gerne auf unwichtige Posten abgeschoben, so die gängige Klage. Mit der PDS, der jetzigen Linkspartei, gibt es sogar eine Partei, die den Ostteil der Republik als politisches Daueropfer karikiert. Doch spätestens seit Dienstag ist alles anders: Die Bundesrepublik wird künftig nicht nur von einer Kanzlerin aus Ostdeutschland regiert werden. Nach der CDU erhält nun auch noch die zweite große Volkspartei, nämlich die SPD, einen Mann aus dem Osten an ihrer Spitze.

Nimmt man dazu noch den designierten Kanzleramtschef Thomas de Maizière, dann werden in der neuen Legislaturperiode gleich drei der zentralen Schaltstellen der deutschen Politik mit Vertretern aus den neuen Länder besetzt. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung erleben wir in Wirklichkeit die „Ver-Ostung“ der bundesdeutschen Politik.

Die Frage ist nicht nur, wieso es zu dieser Entwicklung kommen konnte, sondern auch, welche Folgen sie haben wird. Bei näherem Hinsehen wird dabei klar, dass sowohl Angela Merkel wie auch Platzeck im Grunde von einem Patt zwischen zerstrittenen westdeutschen Landsmannschaften profitiert haben. Um es deutlich zu sagen: Das spricht nicht gegen die beiden. Aber begünstigt wurde ihr Aufstieg sehr wohl dadurch, dass sich in der Nach-Kohl-Ära und der Nach-Schröder-Zeit in keinem Landesverband eine eindeutig dominierende, für alle akzeptable Person herauskristallisierte. Während Merkel jedoch durch dieses Patt zielsicher an die Spitze strebte, ist Platzeck mehr in das sich nun auftuende Vakuum bei den Sozialdemokraten hineingestolpert.

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