Kommentar
Im Zweifel für Google

Bei allem Zweifel an Google jüngsten Zukäufen Youtube und Doubleclick – der Suchdienst aus Kalifornien bleibt im Internet auch in Sachen Wirtschaftlichkeit das Maß aller Dinge.

Man ist von den Managern der New Economy ja einiges an Hype und Übertreibung gewöhnt. Wenn aber Google-Chef Eric Schmidt sagt, er sei angesichts der aktuellen Quartalszahlen „ekstatisch“ und dann auch noch ein Umsatzwachstum von 63 Prozent und Gewinnwachstum von 69 Prozent vorweist, tanzen auch die Anleger vor Freude auf den Tischen.

Es gibt einfach nichts, was man am Kerngeschäft von Google aussetzen könnte. Drei von vier Mitarbeitern sind mit dem Suchen und Werben im Internet beschäftigt. Derzeit tüfteln die Experten, wie die Anzeigen noch genauer an die richtigen Internetnutzer gerichtet werden. Google weiß viel über seine Kunden. Wenn es gelingt, etwa Anzeigen von Nike oder Adidas auf Bildschirmen von Menschen einzublenden, die sich viel auf Sportseiten tummeln, erhöht sich für den Werbekunden die Effizienz, für Google der Profit und für den Internetnutzer die Übersicht. Google will weniger Anzeigen, aber damit mehr Gewinn machen.

Während der Konkurrent Yahoo hinterherstolpert, wird Google immer effizienter. In den vergangenen drei Monaten hat das Unternehmen 1600 Arbeitsplätze geschaffen und seine Belegschaft um 15 Prozent ausgeweitet. Der Anteil der Personalkosten am Umsatz ist gleichzeitig aber von 33 auf 31 Prozent zurückgegangen. Das sind Kennzahlen, bei denen jedem Analysten das Herz aufgeht.

Kritiker von Google sollten also nicht zu voreilig sein. Gewiss, der Konzern will drei Milliarden Dollar für Doubleclick ausgeben – ein Unternehmen, das in den elf Jahren seit seiner Gründung rund eine halbe Milliarde Dollar Verluste angehäuft hat. Doch niemand versteht mehr vom Geldverdienen als Google. Wenn es dem Konzern gelingt, das technische Know-How von Doubleclick mit der eigenen betriebswirtschaftlichen Brillanz zu verbinden, wird sich der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz noch weiter vergrößern.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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