Kommentar: Iran bunkert sich ein

Kommentar
Iran bunkert sich ein

Das Regime im Iran ist durch die Sanktionen des Westens wirtschaftlich geschwächt. Aus innenpolitischen Gründen muss es aber Stärke nach außen zeigen. Die Sackgasse kann nur eine diplomatische Initiative durchbrechen.
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Im Atom-Konflikt treibt Iran wieder das Katz-und-Maus-Spiel. Präsident Ahmadinedschad eröffnet neue Nuklearanlagen, Teherans Medien verkünden, Iran wolle die Öllieferungen an sechs EU-Staaten einstellen – und zugleich bietet das Regime der EU neue Atomgespräche an. Affront und Avancen: Der Krieg der Worte wird immer bizarrer; im Krieg der Geheimdienste tobt der Konflikt schon länger. Das haben die Attentate auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien sowie die Iranern zugeschriebene Explosion in Bangkok gezeigt.

Stufe um Stufe verschärft sich der Konflikt um iranische Atomanlagen. Dass Teheran auf den Ölboykott der EU reagieren könnte, war erwartet worden. Noch dementiert die Regierung den eigenen Ölstopp, aber einfach so hinnehmen kann das Mullah-Regime die EU-Sanktionen allein aus innenpolitischen Gründen nicht. Die Frage ist nun: Wirken politische Maßnahmen eigentlich noch? Ist der Zeitpunkt nicht längst überschritten, an dem Teheran noch einlenken kann?

Die Sanktionen, die der Westen gegen Iran verhängt hat, zeigen zweifellos Wirkung. Irans Wirtschaft geht es so schlecht wie seit langem nicht. Aber noch haben USA und EU die Daumenschrauben nicht vollends angezogen. Nach dem Öl- und Finanzembargo müsste über kurz oder lang eine totale Blockade Irans kommen. Aber es bleibt zweifelhaft, ob sich das Regime durch einseitige Maßnahmen des Westens in die Knie zwingen lässt. Umso mehr steigt die Gefahr eines Präventivangriffs durch Israel, noch bevor die Atomanlagen Teherans immun gegen Angriffe aus der Luft werden, weil sie tief unter der Erdoberfläche installiert werden, unerreichbar selbst für Mega-Bomben.

Wenn Israel an einem Angriff auf die Atomanlagen gehindert werden soll, bevor Teheran die Nuklearwaffen herstellen kann, muss jetzt eine neue Initiative gestartet werden. Und zwar nicht nur von den USA und der EU. Auch Russland und China müssen mit ins Boot. Keine der beiden Mächte kann es tatenlos hinnehmen, wenn in ihrem Hinterhof eine neue Atommacht entsteht. Vor allem das an einer stabilen Weltordnung interessierte China muss Iran klipp und klar bedeuten, wo die „rote Linie“ ist. Atomgespräche im Rahmen der „Fünf-plus-eins-Gruppe“ der Uno bieten sich dafür an.

Das alte Ost-West-Denken erfährt im Nahen Osten gerade eine Renaissance. Ein Rückfall in die Konfrontation des Kalten Krieges löst aber keine Konflikte, die geeignet sind, die gesamte Welt aus den Angeln zu heben. Das müssen selbst Peking und Moskau einsehen. Und Israel ebenfalls.

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  • niemand hat hier vor einen krieg zu führen

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/02/die-medien-bereiten-sich-auf-den.html

  • Ich kann dieses naive Gezeter gegen Christoph Rabe überhaupt nicht nachvollziehen. Diese GUTMENSCHEN in Deutschland sind einfach nur PEINLICH! Naivität, Ignoranz und Dummheit schützt nicht vor der Wirklichkeit! Sie wird auch diese ganzen Gutmenschen erbarmungslos einholen…

  • Der Krieg der Geheimdienste hat schon vor 2 Jahren begonnen als Massud Ali-Mohammadi, der angeblich auch am Atomwaffenprogramm beteiligt war, ebenfalls durch eine Bombe getötet wurde.

    Israel wird so oder so tun was es für richtig hält, ohne Rücksicht auf die eigenen Partner.
    Die USA rüsten aber auch auf, ihre Bunkerbrechenden Waffen sind wohl zu schwach für die iranischen Bunker, das Verteidigungsministerium hat unlängst Mittel für stärkere beantragt.

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