Kommentar
Iran: Taktische Finte

In Teheran wird einmal mehr vabanque gespielt. Denn die von dort zu hörende Ankündigung, ab sofort die Anreicherung von Uran wieder aufnehmen zu wollen, zeugt von weit mehr als von Ungeduld. Es ist der vordergründige Versuch, die EU zu brüskieren.

sin HB DÜSSELDORF. Daran ändert auch nichts, dass Irans Nuklearbehörde die Internationale Atomenergie-Agentur in Wien von diesem Ansinnen unterrichtet hat.

Zunächst wenig verständlich ist dieser Schritt vor allem deshalb, weil die britischen, französischen und deutschen EU-Emissäre Ende dieser Woche ihre Vorschläge zur Schlichtung des Atomstreits präsentieren wollten. Wenn nun in Teheran behauptet wird, damit eine gemeinsam vereinbarte Frist, den gestrigen 1. August, nicht eingehalten zu haben, so zeugt dies nicht gerade von diplomatischer Phantasie.

Denn selbst wenn diese Frist genannt worden wäre, ginge es doch allenfalls um wenige Tage. Angesichts der von der EU schon vor Jahren gestarteten Bemühungen, Iran von seinen atomaren Ambitionen abzuhalten, wäre die Differenz also allenfalls marginal. Zudem: Am Samstag tritt in Iran ein neuer Präsident sein Amt an. Noch mit der alten Garde zu verhandeln wäre also eher Zeitverschwendung.

Gerade im Regierungswechsel könnte aber das Motiv für Teherans Störmanöver zu suchen sein: Die alte Mannschaft löckt dreist wider den Stachel, damit die neue ohne innenpolitischen Gesichtsverlust prompt wieder Kompromissbereitschaft und Wohlverhalten demonstrieren kann.

Denn in Iran sind auch Pragmatiker am Werk. Diese wissen nur zu genau, dass die EU einen Verzicht auf die Urananreicherung fürstlich in Form von Wirtschaftshilfe und Bereitstellung von Technologie belohnen wird. Und deshalb halten sie ihre taktische Finte eben für durchschaubar.

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