Kommentar
Jammern hilft nicht

Was war doch der Sommer schön: Der Kanzler kündigte an, die Steuerreform um ein Jahr vorzuziehen; in jeder Zeitung standen Tabellen mit üppigen Steuerentlastungen, und an den neuen langen Samstagen strömten die Käufer in die Innenstädte wie sonst nur zu Weihnachten. Nun ist bald Weihnachten, doch die Euphorie des Handels ist neuer Frustration gewichen.

Zu wenig ist von der Steuerentlastung übrig geblieben, zu groß ist nach wie vor die Angst um den Job und vor neuen Belastungen – König Kunde ziert sich wieder.

Dem deutschen Einzelhandel und den Herstellern von Konsumgütern bleibt einmal mehr nur die Hoffnung auf das nächste Jahr. Den lang ersehnten Aufschwung soll es bringen und vielleicht sogar die ganz große Steuerreform. Doch woher soll angesichts sinkender Reallöhne und steigender Kosten für Gesundheit und Altersvorsorge kurzfristig Geld für nennenswerten zusätzlichen Konsum kommen?

Es führt kein Weg daran vorbei: Der Handel muss sich selber aus dem Sumpf ziehen. Das Hoffen auf mehr Konsumlust ersetzt keine Strategie für den bestenfalls stagnierenden deutschen Markt. Beispiele für sinnvolle Strategien gibt es: Internationalisierung macht zum Beispiel den Handelsriesen Metro immer unabhängiger vom schwierigen Heimatmarkt. Das Discountgeschäft mit kleinem, effizient geführtem Sortiment funktioniert bei Aldi und Lidl hervorragend. Und viele Händler leben gut in Nischen mit kompetenter Beratung und hohen Preisen.

All jene aber, die mit mittelmäßigem Angebot und mittelmäßiger Beratung weiterwurschteln, haben keine Zukunft. Davon zeugt die Pleitenwelle im Handel. Im Weihnachtsgeschäft liefern sich die strategisch schlecht Positionierten derzeit eine Rabattschlacht mit oft illegalen Mitteln wie pauschalen Preissenkungen für ganze Sortimente. Damit vernichten sie bei den Kunden das letzte Quäntchen Vertrauen in reguläre Preise und stempeln jeden, der zum Normalpreis kauft, zum Verschwender oder Tölpel.

Zugleich wird damit die Forderung des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels zur Farce, die Schlussverkäufe weiter durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb schützen zu lassen. Sie haben nun wirklich keinen Sinn mehr.

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