Kommentar
Jetzt ist Wulff am Zug

Christian Wulff ist Ferdinand Piëch zu größter Dankbarkeit verpflichtet. Piëch, Chefaufseher des Volkswagen-Konzerns und Vertreter des Porsche-Familienclans, befreit den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen von einer schweren Last: Porsche steigt bei VW ein und verhindert eine feindliche Übernahme.

Nun muss Wulff allerdings auch konsequent handeln. Der CDU-Politiker hat die Aufklärung der Hartz-Affäre genutzt, um das sozialdemokratisch-gewerkschaftliche VW-Netzwerk gründlich zu stutzen. Jetzt sollte er den Einstieg von Porsche bei VW als Chance begreifen, die Beteiligung des Landes an dem Autokonzern zu verkaufen – auch wenn dabei kein großer Gewinn anfällt. Nur so werden die Machtstrukturen zerstört, die das „System VW“ zu einem „Problem VW“ werden ließen.

Solange der Staat mitregiert, bleibt die konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf betriebswirtschaftliche Effizienz ein Traum – egal welche Partei in Hannover gerade die Landesregierung stellt. Wulff kann und muss also abtreten. Natürlich nicht von der politischen Bühne, wo ihn eher neue Aufgaben erwarten, aber als VW-Aufsichtsrat. Piëch selbst, der Strippenzieher hinter den Kulissen, übrigens auch. Zu sehr kollidieren jetzt seine Interessen. Piëch kann sich nicht gleichzeitig im Aufsichtsrat beider Unternehmen engagieren und nebenbei auch noch die Interessen der Porsche-Holding vertreten, des wichtigsten VW-Händlers.

Was kommt danach? Der neue starke Mann in Wolfsburg heißt Wendelin Wiedeking, Chef des profitabelsten Autobauers in Europa und einer der umstrittensten Manager Deutschlands. Man kann zu dem Verweigerer jeglicher Corporate-Governance-Regeln und Kanzler-Freund stehen, wie man will – erfolgreich ist er, sehr erfolgreich sogar. Wiedeking sollte VW und Porsche zusammenbinden, vielleicht sogar fusionieren. Bei einer reinen Abwehrschlacht für VW darf es nicht bleiben. Eine Wiederauflage der Deutschland AG können wir nicht brauchen. Und den Familiengesellschaftern von Porsche sollte auch ihr Geld zu schade dafür sein.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%