Kommentar
Justiz als Notnagel

Siegesgewiss geben sich die prominenten Beschuldigten Josef Ackermann und Klaus Esser zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses. Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef, bringt lächelnd den Habitus des Weltmanns ins Spiel, den es in die Provinz verschlagen hat.

Siegesgewiss geben sich die prominenten Beschuldigten Josef Ackermann und Klaus Esser zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses. Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef, bringt lächelnd den Habitus des Weltmanns ins Spiel, den es in die Provinz verschlagen hat: Nur in Deutschland werde über Gehälter von Spitzenmanagern vor Gericht verhandelt.

Ganz unberechtigt ist der Vorwurf nicht: Bei uns werden zu viele – auch politische – Fragen von Gerichten entschieden, woran freilich die Gerichte selbst oft die geringste Schuld haben. Nicht zu übersehen ist aber, dass sich gerade in den USA, die oft als Referenz herangezogen werden, ungleich größere Heerscharen von Juristen mit dem Gebaren von Managern befassen.

Die Düsseldorfer Richter müssen sich bei ihrer Entscheidung strikt nach dem Aktien- und dem Strafrecht richten. Im Hintergrund aber schwingen zwei simple Versionen mit, wie der Fall gesehen werden kann, und sie bewegen die Öffentlichkeit stärker als die juristischen Finessen: Bei Variante eins hat eine engstirnige deutsche Justiz nicht verstanden, wie Spitzenleistungen in der modernen Marktwirtschaft honoriert werden müssen. Version zwei sieht Mannesmann als besonders krassen Fall von vielen, in denen Manager sich und ihre Freunde bedient haben. Danach ist der Hinweis auf „marktübliche Boni“ eine Umschreibung für die Ausrede, dass andere schließlich genauso ungeniert zugreifen.

Auf „den Markt“ als regulierendes Element kann man sich berufen – allerdings nur dann, wenn er funktioniert. Bei Vergütungen für Spitzenmanager ist das nur sehr eingeschränkt der Fall. Denn die Aktionäre als Eigentümer der Gesellschaft bezahlen sie, aber sie haben meist keinen Einfluss auf die „Preisbildung“. Eigentlich müssten die Aufsichtsräte knallhart Aktionärsinteressen vertreten, aber in der Praxis stehen sie den Vorständen meist näher als den Aktionären. So kann ein richtiger Markt nicht funktionieren.

Deswegen ist der Düsseldorfer Prozess alles andere als ein Ausflug in die deutsche Provinz. Er bestätigt vielmehr, dass die Juristen mit ihren groben Instrumenten ans Werk müssen, wenn die Märkte versagen. Verhindern lässt sich das, indem das Marktversagen behoben wird.

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