Kommentar
Kassensturz bei der WestLB

Der Übergangschef der WestLB, Alexander Stuhlmann, hat das gemacht, was jeder macht, der wissentlich auf einem Schleudersitz Platz nimmt: Er hat das erste greifbare Quartalsergebnis genutzt, um alle erkennbaren Risiken möglichst konservativ zu bewerten. Doch jetzt steht er vor einer weitaus größeren Aufgabe. Ein Kommentar.
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FRANKFURT. Bei Stuhlmanns Kassensturz ist ein Verlust von erschreckenden 604 Mill. Euro aus gekommen. Sie stammen aus den im Frühjahr bekannt gewordenen Fehlspekulationen im Eigenhandel.

Diese Mega-Panne kostete Stuhlmanns Vorgänger Thomas Fischer und drei seiner Vorstandskollegen den Job. Betrachtet man die Schadenssumme, muss man sagen: Es war unvermeidbar, dass die Verantwortlichen nach Hause geschickt wurden. Das kann aber nicht alles gewesen sein. Das eigentliche Umsteuern steht noch aus: Stuhlmann muss jetzt mit dafür sorgen, dass schnell der richtige Fusionpartner gefunden wird, und dass sich die Bank nur noch auf die Geschäfte konzentriert, die nachhaltig Erträge bringen. Das könnte einschneidende Gesundschrumpfungs-Maßnahmen erfordern.

Stuhlmann hat aber noch eine weitere Herausforderung: Im Halbjahresbericht schreibt er zu den möglichen Folgen der US-Immobilienkrise: "Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass uns die Auswirkungen dieser Krise, sollte sie sich nicht drastisch verschärfen, nicht daran hindern werden, für das Gesamtjahr 2007 ein positives Jahresergebnis vor Steuern auszuweise." Zur Entwicklung des Bankenmarkts heißt es drei Seiten weiter: "Möglicher Wertberichtigungsbedarf im US-Subprime-Geschäft könnten im zweiten Halbjahr die Entwicklung der Finanzinstitute belasten."

Mit anderen Worten: Betrachtet man den fortschreitenden Margenverfall im klassischen deutschen Firmenkundengeschäft, die Abschwächung des Kapitalmarkt- und M&A-Geschäfts sowie die noch nebulösen US-Risiken, dann darf sich keiner der Illusion hingeben, dass jetzt wirklich alle Probleme der WestLB ausgestanden sind. Alle Kerngeschäftsfelder können betroffen sein. Sollte es aber zu einem nächsten Schwächeanfall kommen, muss auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers einsehen, dass die Zeiten der eigenständigen WestLB endgültig vorbei sind.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
Handelsblatt

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