Kommentar
Katastrophen-Monat August

Ob Kommunisten-Putsch, Finanzcrash, brennender Fernsehturm oder sinkende Atom-U-Boote – der August ist in Russland als Katastrophen-Monat verhext. So auch in diesem Jahr.

MOSKAU. Wieder ist Präsident Wladimir Putin im Urlaub (beim Italiens Premier Silvio Berlusconi auf Sizilien) und wieder, nach der „Kursk“-Katastrophe vor drei Jahren, ein Nuklear-Unglück im Eismeer und wieder spricht die Marine davon, es sei „ungefährlich“. Dabei wirft das Sinken des Unterwasser-Atomkreuzers K-159 grelles Licht auf die wahre Lage in Russland: Mitnichten ist das größte Land der Erde gefestigt, es drohen jederzeit große Gefahren von dort.

Denn Putin hat zwar jahrelang liegengelassene Reformen wie Steuersenkungen oder den Handel mit Land durchgepaukt. Doch vor entscheidenden Durchbrüchen wie der Entbürokratisierung, der Bekämpfung der Korruption und vor allem der Modernisierung seiner Armee schreckt Russlands Oberkommandeur zurück. Der Kreml hat aus dem Irak-Krieg nichts gelernt und aus dem seit 1999 mit täglich einem Dutzend Toten laufenden zweiten Tschetschenien-Krieg erst recht nicht. Russland braucht endlich eine Armee, die klein, flexibel, gut ausgebildet, modern ausgerüstet sowie von Korruption und atomaren Altlasten befreit ist. Nur dann wird das Eismeer nicht immer wieder zur Zeitbombe.

Putin wird nun endlich etwas tun müssen – und seine Freunde von Schröder bis Bush müssen dies anmahnen statt im Chor vorzusingen, "wir brauchen Russland". Wir brauchen ein reformiertes Russland, aus dem nicht ständig neue Gefahren drohen!

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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