Kommentar
Kein Ende des deutschen Exportwunders

Der deutsche Außenhandel schwächelt, weil die Euro-Länder um uns herum schwächeln. De facto wachsen die Ausfuhren aber noch immer beträchtlich. Einzig eine schwächelnde Weltwirtschaft könnte dem Export etwas anhaben.
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Sicher, die neuen Zahlen zu den deutschen Ausfuhren sind ein Dämpfer für die deutsche Exportwirtschaft, unsere bisher so stolz schillernde Wachstumslokomotive: Im Vergleich zum Mai haben die deutschen Exporteure im Juni deutlich weniger verkauft – um 1,5 Prozent sind die Ausfuhren gefallen. Gleichzeitig kommen weniger neue Aufträge in den deutschen Konzernzentralen an. Hatten wir am Anfang des Jahres noch gehofft, weiterhin regelmäßig neue Rekorde - und bald sogar die Marke von 100 Milliarden pro Monat knacken zu können, so zeigt der Trend nun erst einmal in eine andere Richtung: Nach unten.

Aber nur leicht nach unten. Denn wer die Zahlen einmal in seine Einzelteile zerlegt, merkt schnell: Es ist zu früh, um das Ende des deutschen Exportwunders an die Wand zu malen. Denn gesunken sind vor allem die Ausfuhren in die Länder der Eurozone. Was nicht verwundern dürfte: Schließlich regiert in den Krisenstaaten die eiserne Hand der Sparkommissare, die mit Nagelfeile, Heckenschere und Hecksler Milliarde für Milliarde aus den Staatshaushalten herausschneiden. Doch nicht nur die Regierungen konsumieren weniger, auch die Haushalte tun es, denn auch sie müssen von ihren hohen Schulden runter. Die waren nach der Jahrtausendwende nämlich noch stärker gestiegen als die der Regierungen. Dass dort trotzdem noch verhältnismäßig viel „Made in Germany“ gekauft wird, ist so eher ein kleines Wunder.

Rechnet man einmal die Eurozone aus der Statistik raus, wachsen die deutschen Ausfuhren also noch immer beträchtlich – vor allem nach Übersee. Auch hier gilt: Vor dem Hintergrund der eher mauen Entwicklung der Weltkonjunktur, ist auch das beeindruckend.

Damit ist eines klar: Wie auch immer sich die Weltwirtschaft demnächst entwickelt, der deutsche Export wird sich immer besser entwickeln als der der meisten anderen Länder. Dafür spricht auch, dass die Schwellenländer deutsche Produkte immer besonders dringend brauchen: Autos zum Angeben, Maschinen für die Industrialisierung. Allerdings: Wenn die Weltwirtschaft weiter so müde vor sich hindümpeln sollte, wäre auch das nur noch ein schwacher Trost.

Die deutsche Konjunktur wird sich vorerst weiter auf den Außenhandel stützen können. Doch Wachstum wird er vorerst nicht mehr bringen. Den wird es in den nächsten Quartalen wohl nur dann geben, wenn es gelingt, die zweite Konjunkturlokomotive endlich einmal ans Laufen zu bekommen – den Binnenkonsum. Die Konsumenten – erstmals seit Jahren ausgestattet mit einigermaßen nennenswerten Lohnsteigerungen – müssten dann gegen die drohende Flaute ankaufen. Bisher tun sie das leider nur bedingt.

Der Redakteur des Handelsblatts ist Experte für Konjunktur.
Hans Christian Müller-Dröge
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Kommentar: Kein Ende des deutschen Exportwunders"

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  • @ popper,
    "außerhalb der Eurozone werden die Länder mit Abwertung ihrer Währungen reagieren" besonders tragisch werden sich diese Abwertungen, die eigentlich durch den deutschen Exportüberschuss verursacht werden, für alle andere Euroländer sein.
    Dadurch wird in diesen Länder die Schuldenkrise noch verschärft.
    Die Agenda 2010 und die Unfähigkeit von Brüssel geeignet Maßnahmen gegen die Krise durchzusetzen werden wahrscheinlich das Ende der EU bedeuten!

  • Durch das deutsche Exportwunder wird auch Arbeitslosigkeit exportiert und die Schuldenkrise ist das Ergebnis davon, ob das langfristig so gut ist?

  • 'Knut34' sagt
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    Dann ist Target2 in den letzten 12 Monaten nur EUR 1 Mrd. pro Tag gestiegen! Welch prima Nachricht!

    Davon kann man 10 Mio. Arbeitslosen jeden Monat EUR 3000 bezahlen!
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    LOL!

    Das kann man leider nicht.

    Denn obschon die Target2-Guthaben der Bundesbank Forderungen der Bundesbank an die EZB sind, und demzufolge genau so gut wie Bargeld, stehen denen in der Bundesbankbilanz leider Forderungen der Geschäftsbanken an die Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber.

    Würde man die von Ihnen erträumte Verteilungsorgie durchführen, wäre die Bundesbank pleite, und müßte vom Steuerzahler rekapitalisiert werden.

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    'Knut34' sagt
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    Weg mit dem Einheits-Euro! Der "EURO? NEIN DANKE!" Aufkleber muss aufs Auto!!!
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    Würde neben dem "Für einen starken Euro" Aufkleber komisch aussehen.

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