Kommentar: Keine Extrawurst für die „Sportschau“

Kommentar
Keine Extrawurst für die „Sportschau“

Seit Jahrzehnten können die deutschen Fußballfans die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen samstags am frühen Abend sehen. Damit könnte ab 2013 Schluss sein. Und das ist auch gut so. Ein Kommentar
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Keine Frage, die „Sportschau“ der ARD ist eine Institution. Viele Fußballfreunde haben sich sehr daran gewöhnt, die Berichte über die Spiele der Fußball-Bundesliga samstags ab 18.30 im frei empfangbaren Fernsehen zu schauen.
Doch Gewohnheiten, selbst wenn man sie Tradition nennt, ändern sich. Es ist nicht mehr tragbar, dass der Gebührenzahler für die Sportschau 100 Millionen Euro pro Saison hinblättern muss. Denn die Zeiten haben sich geändert – die Alternativen, also vor allem die Internet-Übertragung, sind zu gut, als dass sich diese Wahnsinnssumme im Sinne aller Zuschauer noch rechnet.
In diesen Wochen verhandelt die Deutsche Fußball Liga (DFL) über die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ab 2013. Es ist ein kompliziertes Verfahren mit Dutzenden Paketen und noch mehr verschiedenen Möglichkeiten. Schon vor drei Jahren war das ein Riesenaufwand, doch dieses Mal ist alles noch komplexer.
Was sich im Wesentlichen geändert hat ist die Rolle des Internetfernsehens. Es geht vor allem um die Frage, ob die ersten, zeitnahen Zusammenfassungen nicht mehr im Free-TV laufen sollen, sondern im Internet. Die exklusiven Live-Rechte dürften beim Bezahlfernsehen bleiben, also vermutlich Sky Deutschland.
Auch wenn das Wort „Tradition“ sehr oft in Zusammenhang mit Fußball fällt: Die Mediengewohnheiten der Menschen haben sich rasant geändert – und das macht vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt. Eine Veränderung weg von der Sportschau hin zum Internet darf kein Tabu sein. Entscheidend ist allein, wer das bessere Angebot macht.

Andere Länder wie Spanien und Italien haben längst bewiesen, dass Fußball keine Free-TV-Berichterstattung braucht, wie sie in Deutschland noch üblich ist. Und erst recht müssen keine 100 Millionen Euro plus x dafür ausgegeben werden. Das ZDF zahlt bereits eine Unsumme für die Liverechte an der Champions League. Kleinere Sportarten wie die Leichtathletik leiden darunter erheblich, denn selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Der Zuschauer würde sich an eine Zeitenwende schneller gewöhnen, als es die ARD wahrhaben will. Für die Vereine inklusive ihrer Sponsoren geht es unterm Strich um möglichst hohe Einnahmen. Auch ohne dass die ARD mitbietet, können sie viel Geld einnehmen und damit die fußballerische Qualität der Bundesliga erhöhen. Und die ARD kann das Geld sinnvoller einsetzen - zum Beispiel für eine breite Sportberichterstattung auch über vermeintliche Randsportarten.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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  • Wer sagt denn, dass die ARD die 100 Millionen aus Gebühren bezahlt? Es müsste sich doch langsam herumgesprochen haben, dass die ARD ihre Sportschau auch aus Werbeerlösen finanziert. Weiß dies der Autor wirklich nicht? Oder handelt es sich hier wieder mal um eine Kampagne gegen die Öffentlich-Rechtlichen, die im Handelsblatt gerne auftauchen.

  • Der Gebührenzahler hat doch noch nie für die Sportschau 100 Millionen Euro hinblättern müssen. Der größte Teil wird doch über Werbeeinnahmen finanziert. Ist das nicht bekannt oder ist das wieder eine der Kampagnen gegen die Öffentlich-Rechtlichen, die im Handelsblatt gerne mal auftauchen?

  • Man sollte das staatliche Zwangsfernsehen abschaffen. Mit den gesparten Gebühren könnte sich jeder das Programm leisten, dass er haben möchte. Warum soll ich für Dingen zahlen, die ich gar nicht haben will?

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