Kommentar
Klarheit statt Sozialismus

In den Führungsetagen der deutschen Konzerne bricht der Sozialismus aus: Die Bundesregierung verwirklicht ihr angedrohtes Gesetz zur Transparenz bei Vorstandsgehältern, damit beginnt ab 2007 die Nivellierung der Vorstandsgehälter.

Das fürchten jedenfalls Manager wie Wendelin Wiedeking (Porsche) oder Jürgen Hambrecht (BASF).

Die Schwarzmaler übertreiben maßlos. In Großbritannien oder in den USA ist Transparenz längst gesetzliche Pflicht. Und von Gleichmacherei auf den Vorstandskonten kann dort wirklich keine Rede sein. In Deutschland aber wird der Streit verbissen geführt – und mit schlechten Argumenten. Selbst ernannte Manager-Kritiker benutzen populistische Parolen, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Betroffene Vorstände verschanzen sich.

Die Regeln der Globalisierung, das vergessen beide gerne, gelten auch und gerade für eine gute Corporate Governance. Transparenz bei den Einkommen ist längst internationaler Standard.

Deshalb ist es höchste Zeit, den erbitterten Streit zu entschärfen. Die Eigentümer eines Unternehmens haben ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Manager bezahlt werden. Nicht allein, was die Höhe der Bezüge angeht. Das nährt nur die Neiddebatte. Viel spannender sind die Sonderabmachungen: Welche Pensionsrechte hat sich der Vorstandsvorsitzende einräumen lassen? Welche Abfindungsklauseln stehen im Vertrag? Profitiert ein Spitzenmanager möglicherweise von einer Zerschlagung der Firma? Nur wer das weiß, kann kuriose und skandalöse Fälle verhindern wie den des MTU-Chefs Udo Stark, der sage und schreibe 120 Millionen Euro von seinem ehemaligen Arbeitgeber Agiv fordert.

In diesem Punkt hat die Bundesregierung ihr Gesetz in letzter Minute verschärft, vielleicht beflügelt von Kapitalismusdebatte und NRW-Wahl. Doch Klarheit muss her. Pensionen, Sondervereinbarungen, Abfindungen sind brisante Informationen. Die darf kein angestellter Manager verheimlichen. Das alles hat mit Sozialismus nichts zu tun. Aber viel damit, verlorenes Vertrauen in die Wirtschaftselite des Landes wiederzugewinnen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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