Kommentar
Klimatischer Wandel

Beim G8-Gipfel Anfang Juli hatte US-Präsident George W. Bush gemeinsam mit den anderen Staats- und Regierungschefs betont, der Klimawandel sei „eine ernsthafte, langfristige Herausforderung, die jeden Teil der Erde betrifft“.

Optimisten zogen daraus den Schluss, Europäer und Amerikaner würden sich beim Klimaschutz in naher Zukunft auf eine Linie verständigen können. Seit Amerikaner, Australier, Inder, Chinesen und Südkoreaner gestern ihren Gegenentwurf zum Kyoto-Protokoll ins Spiel brachten, ist klar, dass diese Linie noch lange nicht gefunden ist. Der neue Klimapakt birgt Risiken – und bietet einige Chancen.

Keine Frage: Systematisch ist der Pakt ein Modell von gestern. Er wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach darauf beschränken, strengere Emissionsgrenzwerte pro verbrauchter Energieeinheit zu definieren. Das ist halbherzig. Dem Ziel, die absolute Menge der Treibhausgasemissionen eines Landes zu reduzieren, kommt man so nur auf Umwegen näher. Dabei müssten gerade die USA durchgreifen: Sie stellen vier Prozent der Weltbevölkerung und sind für rund 24 Prozent der weltweit emittierten Klimagase verantwortlich.

Der Mechanismus des Kyoto-Protokolls, die gesamten Treibhausgasemissionen eines Landes zu deckeln und dann in den Handel mit Emissionsrechten einzusteigen, führt eher zu den gewünschten Ergebnissen. Dass die Bush-Regierung diesen Weg nicht beschreiten will, spricht nicht für große Ernsthaftigkeit bei ihren Bemühungen um den Klimaschutz.

Doch es hilft nicht, den Gegenentwurf zum Kyoto-Protokoll zu verteufeln. Immerhin könnte er auch Ausgangspunkt für eine Annäherung sein. Die Bush-Regierung will sich nicht länger Obstruktion vorwerfen lassen. Darum legt sie sich nun wenigstens auf die Ziele des neuen Pakts fest – mögen sie noch so bescheiden sein. Letztlich waren die Amerikaner überrascht, dass das Kyoto-Abkommen im Februar doch noch in Kraft treten konnte. Möglicherweise legen sie nun die Basis für eine neue Annäherung. Am Ende wird die Erkenntnis stehen, dass sich wirksamer Klimaschutz nur global organisieren lässt.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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