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Kommentar: Bloße Abschlagszahlung

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Es hat genau 323 Tage gedauert, bis die von Affären geschüttelte Siemens AG Grund hatte, erstmals aufzuatmen. Die erzielte Einigung mit den deutschen Strafverfolgungs- und Steuerbehörden verschafft dem Unternehmen in der Heimat zum ersten Mal seit Monaten Erleichterung. Die Ermittlungen gegen Siemens selbst werden eingestellt, das Unternehmen zieht dafür das Büßergewand über, nimmt alle Schuld auf sich und zahlt ein Bußgeld, das in der deutschen Wirtschaftsgeschichte rekordverdächtig hoch ist. Nimmt man noch die zusätzlichen Steuerzahlungen hinzu, kostet das Schmiergeld-Abenteuer, zu dem es in nur einem Bereich des Konzerns gekommen ist, immerhin 380 Mill. Euro.

Jeder im Traditionshaus weiß natürlich, dass das noch längst nicht alles ist. Denn, CEO Peter Löscher hat es ja selbst oft genug gesagt, die US-Anwälte, die den Konzern seit Monaten im Zangengriff halten, sie ermitteln mit dem Segen der US-Börsenaufsicht SEC weiter. Und wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, dann dürften dem Konzern Strafen ins Haus stehen, die die gestrige Buße als bloße Abschlagszahlung erscheinen lassen.

Ein Etappenziel freilich ist erreicht, gegenüber den deutschen Behörden hat Siemens erst einmal den Rücken frei. Dass die Strafverfahren gegen die handelnden Manager von der Einigung nicht betroffen sind, versteht sich von selbst. Eben erst hat die Staatsanwaltschaft München Anklage erhoben. Für Siemens aber gilt: Ein kleines Kapitel der traurigen Geschichte kann als beendet gelten.

Umso mehr bleiben Fragen offen: Schafft es Peter Löscher, seinen Null-Toleranz-Kurs glaubhaft im ganzen Unternehmen zu verankern? Und reicht das aus, die allmächtig wirkende SEC milde zu stimmen? Vor allem aber: Wer steht eigentlich für die Unsummen gerade, die das Unternehmen für die schwarzen Kassen blecht?

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