Kommentar
Kommentar: Die Deutsche Pannenbank

Die Deutsche Bank ist die dynamischste, rentabelste, internationalste und damit ohne Zweifel stärkste Bank Deutschlands. Ausgerechnet diese stolze Deutsche Bank ist es, die ihren Führungsanspruch in der Branche und ihre besondere Verantwortung in der Gesellschaft immer wieder ignoriert.

Der fragwürdige Schritt, einen offenen Immobilienfonds zu schließen, beunruhigt viele tausend Anleger, die um ihr Erspartes bangen. Damit beschädigt die Bank nicht nur ihr Image, sondern den Finanzmarkt. Der Schaden, der durch den amateurhaften Umgang mit den Problemen des Fonds entsteht, droht die ganze Branche in Mitleidenschaft zu ziehen und dürfte am Ende viel höher sein als die Verluste, die mit der Aktion verhindert werden sollten.

Diese ohnehin umstrittene Anlageform könnte gänzlich von der Bildfläche verschwinden, wenn sich die Anleger in Panik abwenden. Andere Fondsgesellschaften haben eindeutig professioneller auf derartige Krisen reagiert. Das Desaster der Tochter DB Real Estate reiht sich in eine ganze Pannenserie ein. Mit einem entscheidenden Unterschied: Hier geht es nun wirklich nicht mehr nur um das Ansehen der Deutschen Bank, sondern um den Ruf der gesamten Geldanlagebranche.

Die Deutsche Bank hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass sie als Nummer eins unter besonderer Beobachtung steht. Jede ihrer Handlungen wird als symbolhaft für das gesamte Geldgewerbe gesehen. Deshalb hat sie stärker als ihre Konkurrenten eine Vorbildfunktion, ob sie will oder nicht. Sie darf sich nicht wundern, dass sie nun wieder mit Negativschlagzeilen überhäuft wird.

Eines steht fest: Krisenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit gehören offenkundig nach wie vor nicht zu den Stärken der Deutschen Bank. Die Liste der spektakulären Fehlleistungen ist lang. Von Hilmar Koppers „Peanuts“ über Rolf Breuers Kirch-Schelte bis zu Josef Ackermanns Victory-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses – diese und viele andere, weniger Aufsehen erregende Fälle haben in der Vergangenheit gezeigt, dass es den letzten Vorstandschefs allesamt im entscheidenden Augenblick bei Worten und Gesten an Sensibilität mangelte.

Auch das Missgeschick, Anfang dieses Jahres gleichzeitig Rekordgewinn und Stellenabbau einen Tag vor der Bekanntgabe neuer Arbeitslosenzahlen zu publizieren, ließ die Branche am PR-Talent der Deutschen Bank zweifeln.

Das Fondsdesaster beschädigt auch die unterentwickelte Kapitalmarktkultur in Deutschland. Vor ein paar Jahren hatte Ackermann persönlich die „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD) ins Leben gerufen, um nach der Bankenkrise, die dem Börsenboom folgte, etwas für den Finanzplatz zu tun. In allen möglichen Bereichen sorgte die IFD mit konkreten Initiativen für Fortschritte und damit für die Wiederkehr von Vertrauen. Der Umgang mit dem Immobilienfonds und die daraus resultierenden Kettenreaktionen zerstören unnötig dieses Vertrauen.

Es ist also höchste Zeit, dass sich die in vielen Bereichen unbestritten führende Deutsche Bank darauf besinnt, welche Rolle sie auf dem deutschen Markt wirklich spielt. Ackermann und Co. müssen jetzt alles tun, um das Vertrauen des Marktes und der Privatanleger wieder zu stärken. Das ist die Bank dem Finanzplatz schuldig.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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