Kommentar Kommentar: IKB-Pleite ist keine Lösung

Mit einer Mischung aus Schadenfreude und Angst beobachtet die internationale Finanzbranche die Entwicklungen bei der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Pleite oder nicht pleite, das ist hier die Frage. Eine echte Wahl haben die Beteiligten nicht.
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Die Düsseldorfer Zentrale der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Düsseldorfer Zentrale der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Foto: dpa

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Mit einer Mischung aus Schadenfreude und Angst beobachtet die internationale Finanzbranche die Entwicklungen bei der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Pleite oder nicht pleite, das ist hier die Frage. Injizieren der Bund und/oder die KfW Bankengruppe doch noch einmal Hunderte von Millionen in die Düsseldorfer Bank und sichern so das Überleben des Instituts? Machen die privaten Banken bei der erneuten Rettungsaktion noch einmal mit?

Eine echte Wahl haben die Beteiligten nicht. Sie müssen ein weiteres Mal Geld nachschießen, denn dies ist das kleinere Übel für Banken und Politik. Ansonsten würden sie die bereits in die IKB eingeschossenen Milliarden versenken. Und der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken müsste ebenfalls einspringen. Dieser Schritt wäre für die Steuerzahler und die Aktionäre der Privatbanken noch teurer.

Zugegeben: Ordnungspolitisch ist die erneute Rettung nicht haltbar. Aus dieser Sicht wäre ein klarer Schlussstrich vonnöten. Er wäre sogar möglich. Denn heute führte eine Pleite der Mittelstandsbank sicherlich nicht zu einem systemischen Risiko, das alle Kreditinstitute gefährden würde. Doch das richtige Leben lässt sich eben nicht mit dem Lehrbuch in der Hand bewältigen. Es zählt der beste Kompromiss.

Während heute eine Entscheidung für oder wider eine Pleite eine Frage des Abwägens ist, blieb im Juli vergangenen Jahres Finanzaufsehern, der Politik und den Kreditinstituten gar keine Wahl, als den Düsseldorfern nach ihrem Desaster mit Immobilienkrediten für unsichere amerikanische Schuldner beizuspringen. Um es klar zu sagen: Nur so gelang es, eine der größten Bankenkrisen seit 1931 zu verhindern. Alle anderen Diskussionen gehen an der Sache vorbei.

Denn die ersten Ausläufer der amerikanischen Immobilienkrise waren damals bereits über die Finanzmärkte hinweggefegt. Die Aktienkurse in Tokio, New York und Frankfurt gingen auf Talfahrt. Alle waren nervös: Bankmanager und Finanzaufseher, Notenbanker, aber zunehmend auch Kleinanleger, die um ihr sauer Erspartes fürchteten. Kurzum, keiner traute dem anderen. In solch einer Situation wäre eine Pleite die Hiobsbotschaft gewesen, die wahrscheinlich zu einer Panik geführt hätte. Nicht nur in Deutschland, nicht nur unter den Banken, sondern an den Finanzmärkten weltweit. Eine Weltwirtschaftskrise wäre kaum zu vermeiden gewesen.

Daran hätten auch die Notenbanken in den USA, Europa und Asien nichts mehr ändern können. Den Beruhigungsformeln von Jean-Claude Trichet und Ben Bernanke, den Chefs der europäischen und der amerikanischen Notenbank, hörte in diesen Tagen niemand mehr zu. Wer sollte auch den Sprüchen von einer Normalisierung trauen oder etwas auf Worthülsen wie „ruhig Blut bewahren“ geben? Einzig die viele Milliarden schweren Liquiditätsspritzen der Notenbanken und Zinssenkungen in den USA halfen in der Krise.

In diesem total unsicheren Umfeld mussten die Retter der IKB Verantwortung tragen. Nicht nur für die deutsche Bankenbranche, sondern vor allem für die Finanzwirtschaft der Welt. Und heute ist es eine schlichte Kostenfrage, diese Rettungsaktion bis zum Erfolg fortzuführen.

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