Kommentar
Kreml stoppt Yukos-Sibneft-Fusion

Dieses neue Kapitel der Putinschen Politökonomie belegt eines deutlich: Der Yukos-Fall ist kein isoliertes Phänomen.

Wladimir Putin hat sich durchgesetzt: Der wahrscheinliche Stopp der Fusion der russischen Erdölförderer Yukos und Sibneft zum weltweit viertgrößten privaten Ölkonzern trägt ganz eindeutig die Handschrift des Kreml. Dem Präsidenten reicht es nicht, dass der seit über einem Monat inhaftierte Yukos-Chef Michail Chodorkowskij seinen Posten als CEO abgegeben hat und nun in der Zelle setzt. Der Kremlchef muss seinem politischen Nebenbuhler auch alle ökonomischen Möglichkeiten einer Konkurrenz zur herrschenden Führung aus der Hand schlagen.

Deshalb musste die Fusion mit aller Macht verhindert werden. Wäre durch sie doch ein Konzern entstanden mit kaum zu überbewertenden Macht - in Russland und im Großteil seiner Provinzen. Die Reaktion der Märkte auf diesen neuerlichen Schlag gegen Yukos ließ an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: Binnen Minuten sackte der Kurs der Aktie um 7,5% in Moskau.

Dieses neue Kapitel der Putinschen Politökonomie belegt aber auch eines: Der Yukos-Fall ist kein isoliertes Phänomen. Es könne - wie es der Aufsichtsratschef eines großen börsen-notierten russischen Unternehmens sagt - "uns alle treffen. Denn es wurden Begehrlichkeiten auf Seiten der Politik geweckt und das Startsignal gegeben, dass jetzt wieder alles erlaubt ist".

Im aktuellen Fall geht es nämlich nicht nur um die endgültige Zerstörung Chodorkowskijs. Sondern auch, wie seit Tagen am Markt zu hören ist, um den Besitzer von Sibneft, den Eigner des Londoner Fussballclubs FC Chelsea und Gouverneur der Fernostregion Tschukotka, Roman Abramowitsch. Ihn hätte der Deal um 3 Mrd. $ in Form von Bargeld und 26 % Anteilen am fusionierten Konzern reicher gemacht. Das aber gönnt der Kreml niemandem - egal, ob am Ende durch das rüde Vorgehen das Investitionsklima wieder einmal von dunklen Wolken beherrscht wird.

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