Kommentar
Kuhhandel statt Kulturwandel

Mit der Strafe für die Deutsche Bank wegen Zinsmanipulationen wird eine Akte geschlossen, aber nicht die Finanzkrise aufgearbeitet. In Wahrheit kommen die Beteiligten bislang um die Konsequenzen herum.
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Die gute Nachricht zuerst: Die Zeit des Wartens ist vorbei. Die Unsicherheit vorüber. 725 Millionen Euro muss die Deutsche Bank dafür zahlen, dass ihre Händler sich daran beteiligt haben, marktbestimmende Zinssätze zu ihren Gunsten zu manipulieren. Damit wären wir aber auch schon bei der schlechten Nachricht: Die Deutsche Bank hängt am tiefsten drin. Kein anderes der fünf weiteren verurteilten Geldhäuser hat eine derart saftige Strafe aufgebrummt bekommen.

Dass diejenigen, die in Amt und Würden waren, als die kriminellen Machenschaften über die Bühne gingen, die gleichen sind, die heute erneut wieder die „Integrität als Kernwert“ bezeichnen, macht die Bank unglaubwürdig. Anshu Jain und Jürgen Fitschen können auf Verdrängen und Vergessen setzen. Wer ein Gedächtnis hat, kann die beiden als Gallionsfiguren des Kulturwandels allerdings nicht wirklich mehr ernst nehmen.

So weit, so einfach. Verschlungener wird es hinter den Kulissen. Schon die Tat selbst entzieht sich einer klaren Beschreibung. Da werden Daten vertraulich jeden Vormittag bei Händlern abgefragt und am Ende wird daraus ein Zinssatz ermittelt, der den Markt bestimmt. Er ist für Millionen von Kunden mit Verträgen, die einen variablen Zinssatz enthalten, ausschlaggebend.

Ein marktentscheidender Preis soll sich eigentlich am Markt bilden, sagt jedes Lehrbuch der Ökonomie – das hat hier aber offenbar seine Gültigkeit verloren. Das Verfahren entzieht sich jeder Kontrolle. Wie es reformiert werden soll, erzählen uns die EU-Kommission und die Banken bis heute nicht wirklich.

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UBS erspart sich unglaubliche Strafe

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  • Wertes Handelsblatt,
    wieviel hat die DBk denn an dem Skandal wirklich verdient.
    Können Sie da eine Zahl nennen?
    Die deutsche Bank hat es ja wirklich schwer, sie kann nicht mal den beteiligten Händlern kündigen, weil ein deutschen Gericht den ganzen Skandal und das Fehlverhalten der Händler nicht so wichtig nehmen.

    Ausserdem habe ich den Einduck, dass die EU-LKommission deutsches Geld besonders liebt. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass die DBk am meisten zahlt.

  • Die Strafe der EU-Kommission ist einfach lächerlich. Hier handelt es sich eindeutig um Wirtschaftkriminalität. Hätte es ein "einfacher EU-Bürger" gemacht, dann wäre er dafür in den Knast gegangen.

  • Diese Strafe der EU ist einfach lächerlich. Würde der "kleine EU-Bürger" so etwas machen, dann würde er gleich in den Knast gehen. Und genaauso hätte man hier verfahren müssen.

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