Kommentar
Kulturrevolutionäre dringend gesucht

Der ehemalige Notenbanker David Walker soll den Bankriesen Barclays auf Kurs bringen. Händler des Instituts haben den Leitzins Libor manipuliert. Walker soll mit einer aggressiven Firmenkultur aufräumen.
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Warum tut sich David Walker das an? 72 Jahre ist der Mann alt; und in einem Alter, in dem andere gut situierte britische Senioren nur noch über die nächste Golfrunde oder den nächsten Segeltörn in wärmeren Gefilden nachdenken, übernimmt er einen der schwierigsten und undankbarsten Jobs in der britischen Bankenszene.

Der ehemalige Finanzpolitiker und Notenbanker soll als Chairman den gestrauchelten britischen Bankriesen Barclays wieder auf den rechten Weg führen. Jenes Geldhaus also, dessen Händler über Jahre hinweg systematisch den globalen Referenzzins Libor manipuliert haben und dessen aggressive Firmenkultur den britischen Aufsehern schon seit langem Kopfzerbrechen bereitet.

Bereits im Frühjahr, lange bevor der Libor-Skandal in seiner ganzen Scheußlichkeit ans Licht kam, hatte der Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, in einem Brief an das Board der Bank schwere Bedenken angemeldet. "Barclays hat die Tendenz, Interpretationsspielräume in der Regulierung stets zum eigenen Vorteil auszunutzen." Dieser Ansatz sei "am aggressiven Ende der Regelauslegung", heißt es in dem Schreiben, dessen ebenso ungewöhnliche wie unverblümte Offenheit ein Indikator für den Grad der Frustration der Aufseher ist.

Vielleicht hat Walker, ein ausgewiesener Experte für Corporate Governance, den Job ja übernommen, weil er denkt, dass er tatsächlich für eine Kulturrevolution sorgen kann. Schließlich hatte ihn der damalige Labour-Premier Gordon Brown 2009 beauftragt, die Führungsprinzipien der Banken in der Londoner City genau unter die Lupe zu nehmen.

Aber wie lässt sich ein so amorphes Konzept wie die Unternehmenskultur wirksam reformieren? Wie lässt sich die "zynische Gier", die sich nach Meinung von Chefaufseher Turner in weiten Teilen der Londoner City breitgemacht hat, möglichst zügig wieder vertreiben?

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Walkers Aufgabe klar definiert

Kommentare zu " Kommentar: Kulturrevolutionäre dringend gesucht"

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  • "Kulturrevolutionäre dringend gesucht"
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    Wenn da jemand auch nur eine Vorstellung davon hätte was eine Kulturrevolution ist, wofür sie steht: er wählte ein anderes Vokabular...

  • Wenn ich mir ansehe, was diese obskure Bank alles für Betrugsprodukte an den Mann gebracht hat und in welchen Skandalen, die noch nicht mal großartig in der Presse behandelt wurden, sie verwickelt ist (K1, Swiss Life Abzocke über Liechtenstein, ...), so kann man diese Bank eigentlich nur als kriminelle Organisation bezeichnen.

  • Weil die Menschen BEQUEM sind! Guten Morgen, Monsieur!

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