Kommentar
Machtvakuum bei Daimler

Der Daimler-Chrysler-Konzern steht vor unruhigen Wochen. Ende dieses Monats rückt Dieter Zetsche in Stuttgart an, der designierte neue Vorstandsvorsitzende. Doch den absoluten Spitzenposten darf er noch nicht übernehmen.

Erst zum Jahreswechsel soll er Jürgen Schrempp als obersten Konzernlenker ablösen. Zetsche muss sich zunächst mit dem Spitzenplatz bei Mercedes begnügen, wo er den ausscheidenden Eckhard Cordes für eine Übergangszeit ersetzen soll. Cordes hatte sich selbst Chancen für die Top-Position bei Daimler ausgerechnet und wollte auf keinen Fall unter dem neuen Konzernchef Zetsche dienen.

Für das Unternehmen bedeutet die bis zum Jahresende amtierende Doppelspitze aus Schrempp und Zetsche nichts Gutes. Während die wichtigste Konzernmarke Mercedes in die größte Krise ihrer Geschichte hineingerutscht ist und wegen schlechter Absatzzahlen wahrscheinlich sogar 5000 Arbeitsplätze abbauen muss, drohen in den nächsten Monaten Konflikte zwischen altem und künftigem Konzernchef.

Obwohl Daimler für das Milliardengrab Smart unbedingt schnelle Lösungen finden muss, hat der Aufsichtsrat bis zum Jahresende ein gefährliches Machtvakuum geschaffen, das zur Blockade führen kann. Schrempp und Zetsche sind alles andere als gute Freunde. Wie sollen sie den Konzern gemeinsam in die richtige Richtung lenken?

Der Aufsichtsrat kann noch umsteuern und diesen schweren Fehler korrigieren, um die sehr wahrscheinliche Lähmung im Konzern zu verhindern. Der Chrysler-Heimkehrer Zetsche muss sofort an die Konzernspitze vorrücken.

Daimler-Chrysler braucht klare und eindeutige Entscheidungen. Und das wird nur möglich sein, wenn Jürgen Schrempp bald geht. Manager aus seinem engsten Umfeld haben schon verstanden, dass die Ära Schrempp bei Daimler beendet ist – der schnelle Abschied von Eckhard Cordes beweist das. Jetzt muss nur noch Schrempp selbst einsehen, dass er dem Konzern in den wenigen Monaten bis zum Jahreswechsel keine Impulse mehr verleihen kann.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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