Kommentar
Märkte - helft!

In Frankreich neigt die neue Regierung zum Geldausgeben. In Griechenland herrscht politisches Chaos. Jetzt werden die Märkte diesen Ländern den Weg weisen.
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DüsseldorfDer Euro geht nicht an der Waterkant unter. Deswegen: Sorry, liebe Nordlichter. Um Schleswig-Holstein geht es heute wirklich nicht. Das Schicksal der europäischen Währung und damit auch des europäischen Projekts entscheidet sich in Paris und Athen.

Ein Sozialist führt unser Nachbarland und in Griechenland weiß niemand, wie eine stabile Regierung entstehen soll. Damit hat sich die politische Landkarte verändert. Ein Erdbeben allerdings, bei dem wir alle fürchten müssen, dass unsere Häuser einstürzen, sieht anders aus. Ja, es gab Wahlen. Ja, es gibt Ergebnisse. Mehr aber ist nicht passiert. Mehr würde im Jahr vier nach der Finanzkrise bedeuten, dass eine Großbank zusammenbricht. Dass eine Ratinagentur zu völlig neuen Erkenntnissen kommt. Dass ein Energieversorer seine Kraftwerke nicht mehr im Griff hat. All das aber ist nicht geschehen. Sondern es hat Wahlen gegeben und davon geht die Welt nicht unter.

François Hollande, der Sozialist der von großen Wachstumspaketen schwärmt, wird bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit auf dem harten Boden der Tatsachen landen. Das Land, das er nun führen soll, steht gewaltig unter Druck. Die EU-Kommission erwartet von Frankreich, dass der neue Präsident das Haushaltsdefizit spätestens im nächsten Jahr unter den EU-Grenzwert von drei Prozent drückt. Gelingt das nicht, droht den Franzosen ein EU-Strafverfahren. "Le roi c'est moi", "der König bin ich", mag sich ein selbstbewusster französischer Präsident dann vielleicht sagen und Brüsseler Sanktionsdrohungen mit einer Handbewegung zur Seite wischen. Seine Vorgänger taten das schließlich auch.

Und auch wir Deutschen sind gegenüber Vorschriften aus der europäischen Verwaltungszentrale mitunter ziemlich unempfindlich. Allerdings steht Frankreich an den Finanzmärkten unter scharfer Beobachtung. Bei einer Ratingagentur, Standard & Poor's, hat das Land seine Bestnote bereits verloren. Weitere Tiefschläge werden garantiert folgen, wenn die Regierung in Paris Sparantrengungen durch Wachstumsphantastereien ersetzt. Es sind die Märkte, die den neuen Präsidenten ihren Willen aufzwingen werden. Und es wird eben nicht der Präsident sein, der die Märkte bändigt. Den Niedergang Frankreichs wird Hollande nicht aufhalten, wenn er schlechtem Geld gutes hinterherwirft.

Komplizierter ist es in Athen Der Einzug von womöglich zehn Parteien ins griechische Parlament und die Stärkung EU-feindlicher Gruppen sind Warnsignale. Eine Regierung zu bilden dürfte fast unmöglich werden. Doch auch Griechenland braucht Geld und muss seine finanzielle Reputation wieder herstellen, wenn es nach dieser Wahl nicht im Chaos versinken will. Bis zum Mitte Mai erwartet die wie auch immer geartete Regierung in Athen die Auszahlung einer nächsten Rate der Hilfskredite aus Europa und vom Internationalen Währungsfonds. Ob Griechenlands Gläubiger das Geld freigeben, wenn es bis dahin keine neue Regierung gibt, ist fraglich.

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Kommentare zu " Kommentar: Märkte - helft!"

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  • Der Präsident wird sich Financiers seiner Wahlgeschenke suchen müssen. Seine neue Reichensteuer reicht vorn und hinten nicht. Und der deutsche Steuerzahler wird sich hoffentlich vornehm zurückhalten (genauso wie hoffentlich die EZB). Also braucht der Präsident Käufer seiner zusätzlichen Staatsanleihen, mit denen er sein Programm auf Pump finanzieren muß...Die werden sich, da sie die 4 Grundrechenarten beherrschen, hüten, ihm die "Rente mit 60" zu finan-zieren!

  • Kaiserbuku, Sie haben wohl keine Altersvorsorge? Diese Kassen sind "die Märkte", die Ihre private Zusatzrente im Alter darstellen müssen, damit Sie nicht voll dem Staat (= Summe der Steuerzahler) auf der Tasche liegen. Ihre Rezepte führen jede Art von privater Vorsorge ad absurdum.

  • Wenn Frankreich aufgrund laienhafter Politik für die Euro-Retterei quasi ausfällt, trägt Deutschland die Last fast ganz allein. Nachdem die politischen Eliten in Deutschland den "Euro im jeden Preis" wollen, worauf übrigens die Griechen wetten (ähnlich wie die Nordrhein-Westfalen...), ist die einzige Frage, wielange das gutgeht. Ich schätze, daß in ca 5 Jahren €-Europa einfach implodiert, weil Deutschland pleite ist - schlichtweg überfordert. Vorher wird man noch die Banken verstaatlichen, damit man ohne kritische Finanzmärkte einfach Geld drucken kann, solange, bis es nichts mehr wert ist, und das wird rasant gehen.

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