Kommentar
Major Tom hat Rückendeckung verdient

Nach dem Scheitern der Fusion zwischen EADS und BAE schießen sich die politisch Verantwortlichen auf Konzernchef Enders ein. Dabei sucht die Politik nur einen Schuldigen für die Folgen ihrer Entscheidung.
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Sein großer Plan ist gescheitert, sein Werben um die Zustimmung der Politik war erfolgslos, der größte Rüstungskonzern der Welt wird weiterhin nicht in Europa beheimatet sein – auf den ersten Blick wirkt EADS-Chef Thomas Enders wie ein geschlagener Feldherr nach der Schlacht. Dass der Verwaltungsrat ihm trotzdem die „volle Unterstützung“ zugesichert hat, ist dennoch die einzig richtige Reaktion. Denn die Hauptschuld an der gescheiterten Fusion haben andere.

Man kann Enders vorwerfen, nicht intensiv genug für sein Vorhaben geworben zu haben. Es ist allerdings naiv zu glauben, dass die Fusionspläne öffentlich verkündet worden wären, hätte es im Vorfeld keine positiven Ermunterungen aus der Politik gegeben. Auch industriepolitisch wäre der Zusammenschluss sinnvoll gewesen. Mit einem starken Rüstungs- und Zivilgeschäft wäre der Konzern gegen so manche Krise immun gewesen.

Doch als es dann ernst wurde, die privaten Anteilseigner Sturm liefen gegen die Fusion, wollte sich offenbar niemand mehr daran erinnern. Damit ist Enders Plan, aus EADS und BAE den größten Rüstungskonzern der Welt zu schmieden, am Ende von der Politik zu Fall gebracht worden. Der Streit um Einfluss im neuen Konzern war den Verantwortlichen wichtiger als die industriepolitische Potentiale einer Fusion. Insbesondere Berlin soll bei den Verhandlungen gemauert haben. Da kann Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die „deutsch-französische Freundschaft“ beschwören wie er will.

Kein Wunder, dass nun aus den Kreisen der Regierungsparteien versucht wird, Enders die Schuld am Scheitern in die Schuhe zu schieben. Ausgerechnet der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Martin Lindner, verteidigt öffentlich die Beteiligung des Staates an EADS und fragt, ob Enders noch der richtige Mann an der Spitze ist.

Dabei müssten nach dem Scheitern andere Personalien kritisch diskutiert werden. Luft- und Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) hat dem Standort Deutschland mit seiner Fundamentalopposition gegen die Fusion einen Bärendienst erwiesen. Denn die Perspektive der EADS-Rüstungssparte Cassidian hat sich durch das Scheitern eher verschlechtert als verbessert. Die gekürzten Rüstungsausgaben in Europa belasten die Bilanz weiter und auf dem lukrativen US-Markt dürfte EADS auch in Zukunft keinen Stich sehen.

Dass diese Belastungen auch Auswirkungen auf die Personalplanung in Deutschland haben werden, ist eine Wahrheit, die Enders nie verschwiegen hat. Ab sofort ist der Rüstungskonzern nicht mehr an seine Standortzusagen gebunden, die er im Falle einer Fusion ausgesprochen hatte. Verlierer ist damit am Ende nicht Enders – es sind vor allem die 49.000 deutschen EADS-Angestellten.

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  • Sorry, aber die geäußerten Meinungen in diesem Artikel sind von vorne bis hinten Unsinn.

    1) Den Deal hat Enders schon selber verbockt. Wer die Bundesregierung als erste Amtshandlung damit schockiert, daß man die jahrzehntelangen Investitionen in den Technologiestandort durch die Verlagerung der Konzernzentrale nach Frankreich konterkariert und dann auch noch die Chuzpe hat, den letzten deutsch geführten Unternehmensteil in englische Hände legen zu wollen, der braucht sich nicht wundern, daß er die rote Karte gezeigt bekommt.

    2) Peter Hinze hat vollkommen recht, wenn er deutsche Interessen schützt. Diese schwachsinnige Laberei über ein europäisches Unternehmen kann ich nicht mehr hören. EADS ist ein französischer Konzern, der im großen Stil deutsche Steuern hinterzieht, indem er die Gewinne nach Frankreich verschiebt. Wer die EADS-Realität täglich am eigenen Leib verspürt, der weiss, daß es keine Fusion braucht, um zu verhindern, daß deutsche Arbeitsplätze nach Frankreich verlagert werden, sondern ein starke deutsche Politik, die den französischen Machtpolitikern Einhalt gebietet. Es ist doch ein Witz, daß ausgerechnet ein deutscher Firmenchef die deutschen Standorte konsequent schwächt. Da waren wir unter seinem (französischen) Vorgänger doch deutlich besser dran.

    3) Ich kann nicht erkennen, was sich für Cassidian faktisch geändert hat. Die Option US-Markt ist doch Augenwischerei. Das hat die Tankerausschreibung eindeutig bewiesen. Nachdem das technisch und kaufmännisch bessere (EADS) Angebot gewonnen hatte, hat Boeing über die Lobbyisten zurückgeschlagen und eine Neuausschreibung nach Boeing-Konditionen erzwungen. Wer ist denn da bitte so naiv zu glauben, daß das beim nächsten Mal andes wird?

    Liebe Damen und Herren vom Handelsblatt: Wenn schon berichten, dann bitte mit mehr Sachverstand.

  • "Strategischer Mehrwert" von Tötungstechnologien? Haben Sie sie noch alle beisammen? Wegen EADS und den damit verwandten Firmen sieht es so aus in der Welt wie es aussieht. Und da soll man stolz drauf sein? Es ist Zeit die zivile Sparte aus dem Konzern heraus zu nehmen.

  • Und was hätte sich nach der Fusion mit BAE zum besseren gewendet??? BAE Werke in GB haben selbst schon Auslastungsprobleme, da wird bestimmt nichts nach Bayern verlagert. Außerdem dürften die Britischen Standorte bei den Exportaufträgen bevorzugt werden. EADS ging es bei Cassidian auch nur um 7%+ Rendite, und nicht um Waffensysteme zu entwickeln. Ob EADS oder BAE die Entlassungen vornimmt ist doch egal. Die Sache ist erledigt, und EADS ist am Zug, um mit den Bund um die Zukunft von Cassidian zu besprechen.

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