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Kommentar: Makabre Beweise

Man mag es als Schicksal, als Fügung, als Fingerzeig einer überirdischen Macht werten, angesichts des Leids und der vermeintlich schieren Ohnmacht, die das Seebeben in Süd- und Südostasien ausgelöst hat, sind solche Interpretationen zu respektieren. Ebenso harte wie grausame Fakten präsentiert freilich die immer länger werdende Liste der Toten und Verletzten.

Und damit drängt sich zwingend die Frage auf, wie Katastrophen wie diese und andere wenn schon nicht vermieden, so doch deren Folgen so weit als möglich in Grenzen gehalten werden können. Wenn jetzt weltweit Hilfsaktionen für die aktuell betroffenen Regionen gestartet werden, so ist dies zweifellos eine richtige, weil notwendige Reaktion. Aber eben nicht mehr. Es geht auch und vor allem um Prävention.

Dem Thema Beben hat sich die internationale Wissenschaft längst gewidmet. Im immer wieder heimgesuchten pazifischen Raum, in Japan oder auch in Kalifornien, wurden Frühwarnsysteme entwickelt, die es zumindest in begrenztem Umfang schon im Vorfeld ermöglichen, beispielsweise Maßnahmen zur Evakuierung einzuleiten. Und dies könnte auch in anderen Teilen unseres Globus erreicht werden.

Natürlich verlangen solche Investitionen eine starke finanzielle Potenz. Und der Hinweis, dass es sich bei den von der jetzigen Katastrophe Getroffenen ganz überwiegend um arme Länder handelt, liefert auch eine Begründung für das Ausmaß des Schadens, doch alles andere als eine Entschuldigung.

Denn die These, Arm stirbt eben früher und schneller, trifft schließlich nicht nur auf besonders spektakuläre Fälle, sondern auf das gesamte Problemspektrum der Dritten Welt zu. Sie widerlegt also die schon seit Dekaden wiederholten hehren Versprechen der Industrieländer, die krassen ökonomischen Gegensätze in der Welt wenigstens ansatzweise ausgleichen zu wollen. Dies mag eine Vision, gar eine Illusion sein. Realität aber ist: Das Drehen von Gebetsmühlen allein ist keine Präventivstrategie – sei es gegen Beben, Hunger oder Seuchen wie Aids. In Asien wird gerade einmal mehr der makabere Beweis geliefert.

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