Kommentar
Mehdorns Versagen

Er war angetreten, die Eröffnung des Hauptstadtflughafens zu beschleunigen. Jetzt hat Hartmut Mehdorn eingeräumt, dass der Bau nun möglicherweise erst 2016 fertig ist. Der vermeintliche Retter hat versagt.
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Hartmut Mehdorn gefällt sich in der Rolle des unbequemen Machers. Zu seinem Amtsantritt als Geschäftsführer des neuen Hauptstadtflughafens prustete er es gleich hinaus: Er sei bekannt dafür, geradeauszugehen. Man müsse ihn jetzt aushalten. Er, der Retter der Deutschen Bahn, der Retter von Air Berlin – so jedenfalls scheint Mehdorns Selbstverständnis.

Doch nach nicht einmal einem Jahr werden sich viele Berliner und Brandenburger Landespolitiker denken: Wir haben Mehdorn lang genug ausgehalten. Sie haben recht. Denn eigentlich hat sich seit Mehdorns Amtsantritt nichts verändert. Die Lage am BER ist genauso verheerend wie vor einem Jahr.

Die Verschiebung der Sanierung der alten Nordbahn ist nur das jüngste Beispiel: Mehdorn posaunt vieles hinaus – und rudert später zurück. Selbst beim Personal bewies er kein gutes Händchen: Seine neue Chefplanerin setzte er vor dem Ende der Probezeit wieder vor die Tür.

Das Chaos ist offensichtlich, nur lenkt der 71-jährige Manager mit seinen andauernden Vorschlägen und Ankündigungen davon ab. Er füllte das Machtvakuum öffentlichkeitswirksam aus, das die vorherige Führung um Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz hinterlassen hatte. Er verkauft das Chaos anders, nämlich als Schuld der Anderen. Aber Fortschritte? Die sucht man vergebens.

Mehdorn war angetreten, die Inbetriebnahme des BER zu beschleunigen. Aus seinem - kurz und knackig - „Sprint“ genannten Expertenteam scheint aber eine Mannschaft der Lahmen zu werden. Es drohe eine Inbetriebnahme erst im Jahr 2016, orakelte der Flughafenchef in seinem am Montag öffentlich gewordenen Brief an die Landesregierung Brandenburgs.

Mehdorn gibt den Propheten. Dabei ist eine mögliche Eröffnung 2016 längst kein Geheimnis mehr. Das wissen auch die Regierungschefs Klaus Wowereit und Dietmar Woidke (beide SPD). Vor allem Brandenburgs Ministerpräsident scheint der Geduldsfaden langsam zu reißen, Wowereit steckt als alter und neuer Aufsichtsratschef selbst zu tief mit drin im BER-Debakel.

Mehdorn zufolge soll es am kommenden Donnerstag ein Spitzentreffen der drei geben. Normalerweise müssten die Politiker erneut die Reißleine ziehen. Doch schon jetzt stehen Wowereit und Woidke vor dem gleichen Problem wie vor einem Jahr das Duo Wowereit und Platzeck: Wenn der BER-Chef erstmal weg ist, wer will sich dann die Führung des Pannen-Projekts antun?

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Kommentar: Mehdorns Versagen"

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  • Sollten die vielen Flaschen auf dem Tisch vor Mehdorn diskret vielleicht die Anzahl der bereits schon "Gescheiterten" symbolisieren?
    Dass dieser schon lange umstrittene Mann „geradeaus gehen kann“ wissen wir erwartungsvollen Bürger schon lange. Doch wem nützen eigentlich seine immer sprudelnden Ideen, die er medienwirksam bereits seit fast einem Jahr als „BER-Boss“ eines wörtlich am Boden liegenden Flugplatzgeländes versprüht, das nun auch nicht mehr im nächsten Jahr seine längst in Bereitschaft wartenden Flugzeuge starten und landen sehen wird!

    Nach der Absage der geplanten Tests an der alten Nordbahn in Schönefeld hatte der selbsternannte Retter der „Deutschen Bundesbahn“ und „Air Berlin“ und seiner früheren Firmen die mangelnde Unterstützung des Aufsichtsrates sowie verschiedene Behörden Brandenburgs informiert. Da er auch noch die extra einberufene Sondersitzung verpasste, brennt nun zumindest wegen der immer größer werdenden Stagnation förmlich die Luft. Das aus reinen Spezialisten bestehende „Kompetenzteam“, das auch noch fälschlicherweise „Sprint“ genannt wurde und immer die Nähe zum bedeutungslosen, alternden „Chef vom Chaos“ sucht, scheint zu verkümmern!
    Damit dieses im gesamten Land eher nur noch belächelnde Treiben um den BER etwas eingedämmt werden kann, dürfte es meiner Meinung nach demnächst erneut eine besondere Meldung geben, nämlich wieder eine Veränderung in der Spitzenbesetzung diese Projektes…….

  • @Berlijoey: Mowereit ist alles Andere als ein Standortnachteil! Je länger gebaut wird, desto mehr Bundesgelder fließen nach Berlin. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

  • Mehdorn leistet genau das, was er leisten soll.

    Der Flughafen dauert noch und er steht dazu.

    Die Politik brauchte jemanden, der steht, auch wenn der Flughafen nicht steht.

    Der Flughafen ist eine grauenhaft teuere Fehlplanung. Doch für die Politik gibt es kein Zurück. Das falsch geplante muss durchgezogen werden, egal wieviele Euro es noch kostet. Und Mehdorn ist dort genau der schmerzfreie Schmerzensmann, den es in dieser Position braucht.

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