Kommentar
Mehr als ein Strohfeuer

Lange Zeit wusste sich die ökonomische Zunft in Deutschland nur noch mit Zynismus zu helfen: „Natürlich kommt der Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte – die Frage ist nur, in welchem Jahr“, lautete ein beliebter Witz unter Volkswirten.

Spätestens seit gestern ist er allerdings von der Wirklichkeit überholt. Unerwartet hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn weiter verbessert. Inzwischen ist sie so gut wie seit Anfang 2001 nicht mehr. Der Ifo-Index, immerhin der wichtigste Frühindikator des Landes, unterstreicht: Deutschland erlebt in diesen Tagen den Beginn eines neuen Konjunkturzyklus – und nicht etwa nur ein Strohfeuer. Die Dauerstagnation, die die Republik fast drei Jahre lang lähmte, ist ein Fall für die Geschichtsbücher. Das Wirtschaftswachstum kehrt nach Deutschland zurück.

Daran wird auch der Höhenflug des Euros grundsätzlich nichts ändern. Zwar dürfte die Erholung durch die Aufwertung ein ganzes Stück moderater verlaufen – vollständig ausfallen wird sie dadurch aber nicht. Denn das Auslandsgeschäft der deutschen Unternehmen steht und fällt in erster Linie mit der Entwicklung des Welthandels – und nur in zweiter Linie mit den Wechselkursbewegungen. Und rund um den Globus stehen die Konjunkturampeln auf Grün. Nicht nur in den USA, auch in Japan, China und etlichen anderen Ländern kommt die Wirtschaft schneller in Fahrt, als noch vor kurzem erwartet worden war.

Zugegeben: Noch kommt der Zündfunke für die deutsche Konjunktur vor allem aus dem Ausland. Aber es dürfte nicht lange dauern, bis er auch auf die noch schwache Binnenwirtschaft überspringt. Nach drei Jahren Investitionszurückhaltung hat sich in den Unternehmen ein erheblicher Nachholbedarf aufgestaut. Die Firmen werden daher kaum darum herumkommen, wieder mehr zu investieren. Bis dies auf dem Arbeitsmarkt positive Spuren hinterlässt, wird es indes noch eine ganze Weile dauern – Anzeichen einer wirklichen Besserung sind frühestens im zweiten Halbjahr zu erwarten. Erst dann dürfte sich auch die Konsumzurückhaltung der Deutschen langsam auflösen.

Dennoch steigen die Chancen, dass der unerwartet starke Anstieg des Ifo-Indexes nicht die letzte positive Konjunkturüberraschung des Jahres gewesen ist.

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