Kommentar
Mehr fördern und fordern

Gebannt schaut Deutschland auf das aktuelle Pisa-Ranking. Welches Bundesland liegt vorn, welches ist abgerutscht? Das Ergebnis ist eindeutig und überrascht nicht: Bayern belegt wieder Platz eins, Bremen bleibt Schlusslicht. Doch der Blick auf das Ranking hilft nicht weiter, wenn man nach den Ursachen für das insgesamt nur durchschnittliche Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich sucht.

Egal, ob in Bayern oder Bremen, Baden-Württemberg oder Brandenburg – das deutsche Schulsystem bietet noch immer nicht allen Schülern gleiche Chancen. In keinem anderen Industriestaat ist der Schulerfolg eines Kindes so stark abhängig von der sozialen Herkunft wie in Deutschland. Ein Schulsystem aber, das es nicht schafft, Schüler aller Schichten annähernd gleichermaßen zu fördern und zu fordern, wird immer nur mittelmäßige Ergebnisse erzielen.

Allerdings gibt es auch Lichtblicke. So belegt etwa das Beispiel Sachsen-Anhalt, dass auch unter schwierigen Bedingungen beachtliche Bildungserfolge möglich sind. Trotz enormer wirtschaftlicher Probleme und hoher Arbeitslosigkeit hat das Land im jüngsten Pisa-Test erheblich bessere Noten bekommen. Der Fall sollte Ansporn für andere Bundesländer sein, ihre erheblichen Defizite abzubauen.

Ein Alarmsignal ist es, wenn mittlerweile wie selbstverständlich von „bildungsfernen Schichten“ gesprochen wird. Bildungsferne Schichten können wir uns schlicht nicht leisten. Mehr Chancengleichheit ist deshalb das Gebot der Stunde, denn der Standort Deutschland ist auf hoch qualifizierte Spitzenkräfte und kreative Köpfe dringend angewiesen.

Den Schlüssel hält die Politik in der Hand: Eine frühzeitige Förderung von Kindern bereits vor Beginn der Schulzeit, gezielte Hilfe für Schüler aus schwierigen Verhältnissen und der zügige Ausbau einer qualifizierten Ganztagsbetreuung sind dringend nötig. Diese Mittel helfen, den Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulerfolg aufzubrechen. Im Endergebnis führen sie zu einem vorderen Platz im internationalen Vergleich.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%