Kommentar
Merckle-Imperium: Bitteres Ende

Bittere Tage für die Familie Merckle. Nur wenige Stunden nach dem Freitod des Oberhauptes Adolf Merckle folgt die erlösende Nachricht, dass die Banken fürs Erste mehrere Hundert Millionen Euro bereitstellen. Der Familienkonzern wird damit vor dem drohenden Zusammenbruch bewahrt.

Bittere Tage für die Familie Merckle. Nur wenige Stunden nach dem Freitod des Oberhauptes Adolf Merckle folgt die erlösende Nachricht, dass die Banken fürs Erste mehrere Hundert Millionen Euro bereitstellen. Der Familienkonzern wird damit vor dem drohenden Zusammenbruch bewahrt. Das Erbe des verstorbenen Gründers wird dennoch zerschlagen. So viel steht heute schon fest. Auch deshalb nahm sich der öffentlichkeitsscheue Unternehmer aus dem Schwäbischen das Leben.

Toten pflegt man nichts Übles nachzureden. Trotzdem ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu fragen, woran der Jahrzehnte so still, aber überaus erfolgreich agierende Selfmademan eigentlich gescheitert ist. Stimmt es, wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger vom „bleibenden unternehmerischen Vermächtnis“ spricht? Das klingt ein wenig danach, als sei der Alleinherrscher Merckle mal eben über die Folgen der Finanzkrise gestolpert. Daran sind bekanntlich schon ganz andere Kaliber der globalen Wirtschaft gescheitert.

Sicherlich ist es so, dass auch ein Familienunternehmer wie Merckle nicht die dramatischen Effekte einer geplatzten Immobilienblase in den USA vorausahnen konnte. Und sicherlich ist es so, dass auch ein gelernter Rechtsanwalt wie Merckle nicht alle Fallen moderner Finanzierungsinstrumente kennen muss. Aber Merckle hat typische Fehler gemacht. Sein komplexes Firmenkonglomerat ist faktisch nicht führbar. Zwischen Pillen und Beton liegen Welten.

Und dass sein Sohn Ludwig auf Druck der Banken aus dem Management aussteigen muss, spricht Bände. In Merckles Reich mit über 100 000 Beschäftigten und 34 Milliarden Euro Umsatz gab es faktisch nur einen Chef, Adolf Merckle. Und der war 74 Jahre alt. Ein Klassiker unter den Sünden familiengeführter Unternehmen.

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