Kommentar
Merkel muss die Außenwirtschaft fördern

Die Kritik an der mangelnder Unterstützung für die deutsche Außenwirtschaft wird immer lauter – wenig Koordination und falsche Akzente. Jetzt ist die Kanzlerin gefragt, vor allem als Türöffner für neue Wachstumsmärkte.
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Ob im kleinen Moldawien oder im großen China - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist trotz der brodelnden Euro-Krise viel auf Reisen in aller Welt. Das nützt, wenn sie Wirtschaftsvertreter in ihrer Delegation hat, immer auch dem Standort Deutschland. Dass dennoch immer lauter Kritik aus Firmen, Industrieverbänden und Handelskammern an mangelnder Unterstützung für die deutsche Außenwirtschaft aufkommt, ist verständlich. Denn die Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung ist zu wenig koordiniert, Akzente werden falsch gesetzt.

Wie die derzeit im Handelsblatt laufende Serie über die neue Prognos-Studie belegt, entstehen immer neue, stark wachsende Wirtschaftszentren in der Welt. Es lohnt sich also, wenn sich die deutsche Politik über Europa, die USA und die inzwischen fast schon zum Standard gehörenden BRIC-Staaten hinaus engagiert. Viele Wettbewerber haben dies bereits erkannt. Und so hängt Chinas Industrie mit staatlichen Finanzspritzen und politisch flankierten Megadeals deutsche Wettbewerber in Afrika immer weiter ab.

In den rasant wachsenden und heute schon reichen Golf-Staaten schickt sich Südkorea mit geschickten Offerten und regelmäßigen ranghohen Staatsbesuchen an, die in Arabien traditionell starke deutsche Industrie als Lieferant für den neuen Ölboom auf die Plätze zu verweisen. In Südamerika klagen die Regierungen, die Berlin dringend für die Rettung des Weltklimas gewinnen will, über mangelnde Aufmerksamkeit durch die Bundesregierung.

Zwar hat das Auswärtige Amt das Thema Wirtschaftsförderung zu einer Priorität erhoben, und Guido Westerwelle reist wacker um den Globus. Deutsche Botschaften helfen engagiert vor Ort, und um unser Netz von Auslandshandelskammern beneiden uns viele Wettbewerber. Doch Monarchen am Golf, KP-Kader in Peking und die Mächtigen in den immer bedeutsamer werdenden G20-Staaten wollen die Regierungschefin treffen. Viele Wirtschaftsleute sehnen sich deshalb nach Gerhard Schröder zurück: Der SPD-Mann habe eine viel engagiertere Außenwirtschaftsförderung betrieben als die CDU-Chefin.

Die deutsche Wirtschaft profitiert von ihrer Exportstärke. Doch die kann nur weiter gedeihen, wenn neue Kraftzentren das Wachstum ankurbeln. Industrie und Mittelstand wissen das und gehen verstärkt in diese Regionen. Aber zum Türöffnen vor Ort brauchen deutsche Wirtschaftsvertreter mehr Unterstützung durch die Kanzlerin. Sie muss nicht nur öfter in Boom-Regionen reisen, sondern auch für eine Außenwirtschaftspolitik aus einem Guss sorgen.

Bisher aber werkeln die auf Auslandsbeziehungen spezialisierten Abteilungen von Bundesministern sowie Landesbehörden munter aneinander vorbei. Sie verwirren damit unsere Partner in der Welt mehr, als sie nützen. Eine Exportnation wie unsere hat mehr Koordinierung und Schlagkraft verdient. Und ein Abbau von Bürokratie würde dem auch dienen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Sie haben ihr Wissen auch nur vom Hören-Sagen. Die oberen 10% besitzen über 60% der Geldvermögen. Und da glauben Sie immer noch, es gäbe eine Umverteilung von unten nach oben. Sie kommen mir vor wie ein Geisterfahrer, der nicht merkt, dass er auf der falschen Spur fährt. So Schlafmützen wie Sie braucht das Land, um seine neoliberalen Märchen zu konservieren.

  • Sie vergessen nur eins, die Staaten außerhalb der Eurozone haben eigene Währungen, d.h. die Exporte steigen da nicht in den Himmel. Die Länder werden sich keine Verschuldung aufdrängen lassen, wie in der Währungsunion geschehen, sondern bei Ungleichgewichten der Handelsbilanz und demzufolge nachlassender Wettbewerbsfähigkeit ihre Währungen abwerten. Die sind nämlich nicht so blauäugig wie die Euro-Südländer und lassen sich von Deutschland über den Tisch ziehen. Die Gewinne des einen sind die Schulden des anderen. Aus dieser saldenmechanischen Tatsache ergibt sich, dass das deutsche Geschäftsmodell der Exportstärke auf tönernen Füssen steht.

  • Noch mehr Export-Überschüsse - und somit mehr Ungleichgewichte im Welthandel - also. Nach Meinungvon Herrn Brüggmann.
    Solange keine Außerirdischen bei uns einkaufen, halten sich Exporte und Importe weltweit zwangsläufig die Waage.

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