Kommentar
Merkels Mann

Die Bundeskanzlerin konnte nicht länger zusehen, wie ihr energieloser Minister Norbert Röttgen die Energiewende verschläft. Mit dem Erfolg seines Nachfolgers Peter Altmaier ist auch das Schicksal Merkels verbunden.
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Die Kanzlerin hat nicht viele Projekte, die das Zeug zu ganz großen Aufregern haben. Die Bewältigung der Schuldenkrise gehört dazu. Die Energiewende ohne Zweifel auch. Sie erfordert die volle Kraft, weil die Deutschen darauf eingestimmt, die Partei umgestimmt und die Energieversorger überstimmt werden müssen. Wenn bei diesem Projekt nur einer von denen, die es umsetzen sollen, eine Luftbuchung ist, bleibt das ganze Vorhaben auf der Strecke. Norbert Röttgen, der glücklose CDU-Spitzenkandidat aus Nordrhein-Westfalen, ist zu einer solchen Nullnummer geworden. Deswegen hat ihn die Kanzlerin aus der Regierung geschmissen.

Sie hat ihn entlassen, ohne sich auch nur einen Funken Mühe zu geben, es nicht wie einen Rausschmiss aussehen zu lassen. Sie zeigt damit ihren Ärger über einen Mann, der nicht nur ihrer Partei durch seinen unentschlossenen Wahlkampf geschadet hat, sondern auch eines ihrer wichtigsten Themen nicht energisch genug vorangetrieben hat.

Das soll jetzt Peter Altmaier richten. Der Saarländer ist ein treuer Vasalle der Kanzlerin. Er ist einer, der zumindest nach außen so lange auf Linie bleibt, bis die Marschrichtung wirklich nicht mehr zu halten ist. Das war so beim Drama um Wulff, wo er dem Bundespräsidenten die Stange hielt, als andere schon längst umgeschwenkt waren. Und es war auch so bei Röttgen, wo er sich bis zuletzt  nicht unter dessen Kritiker mischen wollte. Nun steht er selbst in der vordersten Reihe. Wenn er sich bewährt, wird er Merkels wichtigster Mann. Versagt er, reißt er auch die Kanzlerin in die Tiefe.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Merkels Mann"

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  • @Hagen_von_Tronege
    Das die Energiewende ein deutscher Sonderweg ist, macht die Möglichkeiten Deutschlands und die Armseeligkeit der anderen Länder deutlich. Wenn wir unseren Technologievorsprung bei den Erneuerbaren versilbern wollen, sollten wir beweisen, dass wir sogar im weniger sonnigen und eher windschwachen Deutschland mit ihnen eine tatsächliche Alternativen zu Kohle und Atom haben.
    Wenn Ihnen der Atom-Ausstieg zu hastig erscheint, dann weil er längst überfällig ist, zumindest was die alten Meiler angeht. Unüberlegt erscheint er, weil er selbstredend ist. Zum Thema Sachkenntnis möchte ich anmerken, dass Atomkraftwerke der Grundlast dienen und deshalb schlecht die für die Erneuerbaren benötigte Regelenergie stellen können.
    Nach dem Schaden klug sein, ist keine Kunst. Zugegeben: der Tsunami von Japan hat das AKW Fukuschima zerstört, aber die Folgeschäden durch Radioaktivität werden von der Technologie verursacht. Es ist völlig egal, welche Ursache deren Versagen herbeiführt.
    Es liegt vielleicht manchmal im Auge des Betrachters, ob das Pferd oder der Reiter tot ist.

  • @merdunix
    "Und im Übrigen: Seehofer ist ein Meister darin, Wahrheiten erst dann auszusprechen, wenn sie alle anderen schon erkannt haben."

    Im Gegensatz zu anderen spricht er sie aus!
    Deshalb - noch mal:
    Der bei uns „Energiewende“ genannte deutsche Sonderweg, der von keinem anderen Land der Welt nachvollzogen wird, ist eine emotionale Schockreaktion auf den Tsunami bei Fukushima. Der Ausstieg aus der Kernenergie war im gesellschaftlichen Konsens bereits beschlossen. Diesen Ausstieg per Dekret durch vorzeitige Abschaltung von funktionierenden Anlagen beschleunigen zu wollen, war:
    zu hastig
    zu unüberlegt,
    zu wenig mit den europäischen Nachbarn abgestimmt
    und ohne Sachkenntnis.

    Der Weltenergierat, eine Unterorganisation der UNO und damit einer parteipolitischen Ausrichtung erst mal unverdächtigen Organisation, hat klar gesagt, dass er vor den Anstrengungen der Deutschen Respekt hat, aber eine Erreichung der für 2022 gesetzten Ziele für unmöglich hält.

    Also weder Röttgen noch sonstwer kann das schaffen. Auch Altmeier nicht. Für eine konzertierte Aktion über Ministerien hinweg fehlt nebenbei gesagt ein Masterplan, wie in der Industrie sonst üblich. Nun kann man die alte Indianer-Ansicht teilen: Wenn Du bemerkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab. Das hilft aber hier nicht weiter. Frau Merkel hat nun die Machtoption gewählt und einen „Offizier ohne Fortüne“ durch einen anderen, bei der Presse beliebten, polyglotten „Erklärbären“ ersetzt. Das kann man tun, aber nur, wenn auf der zweiten und dritten Ebene die Sachkenntnis vorhanden ist. Die fehlt aber nach wie vor.

    Deshalb: Herr Seehofer, machen Sie den dritten Schritt: Springen Sie über Ihren Schatten, sprechen Sie mit Herrn Rösler und schicken Sie Ihre süddeutschen Energie-Experten nach Berlin, sie werden dort gebraucht.

  • Aha, SteuerKlasseEins weiß ja gut Bescheid; in Fukushima gab es also 0 Tote/Verletzte/Kranke. Woher haben Sie diese Erkenntnis?
    Bevor Sie über das Für und Wider von Atomkraft schwadronieren, sollten Sie sich mal sachkundig machen.

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