Kommentar

Altmaier, der treue Vasalle der Kanzlerin

Die Bundeskanzlerin konnte nicht länger zusehen, wie ihr energieloser Minister Norbert Röttgen die Energiewende verschläft. Mit dem Erfolg seines Nachfolgers Peter Altmaier ist auch das Schicksal Merkels verbunden.
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Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

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(Foto: Pablo Castagnola)

Die Kanzlerin hat nicht viele Projekte, die das Zeug zu ganz großen Aufregern haben. Die Bewältigung der Schuldenkrise gehört dazu. Die Energiewende ohne Zweifel auch. Sie erfordert die volle Kraft, weil die Deutschen darauf eingestimmt, die Partei umgestimmt und die Energieversorger überstimmt werden müssen. Wenn bei diesem Projekt nur einer von denen, die es umsetzen sollen, eine Luftbuchung ist, bleibt das ganze Vorhaben auf der Strecke. Norbert Röttgen, der glücklose CDU-Spitzenkandidat aus Nordrhein-Westfalen, ist zu einer solchen Nullnummer geworden. Deswegen hat ihn die Kanzlerin aus der Regierung geschmissen.

Sie hat ihn entlassen, ohne sich auch nur einen Funken Mühe zu geben, es nicht wie einen Rausschmiss aussehen zu lassen. Sie zeigt damit ihren Ärger über einen Mann, der nicht nur ihrer Partei durch seinen unentschlossenen Wahlkampf geschadet hat, sondern auch eines ihrer wichtigsten Themen nicht energisch genug vorangetrieben hat.

Das soll jetzt Peter Altmaier richten. Der Saarländer ist ein treuer Vasalle der Kanzlerin. Er ist einer, der zumindest nach außen so lange auf Linie bleibt, bis die Marschrichtung wirklich nicht mehr zu halten ist. Das war so beim Drama um Wulff, wo er dem Bundespräsidenten die Stange hielt, als andere schon längst umgeschwenkt waren. Und es war auch so bei Röttgen, wo er sich bis zuletzt  nicht unter dessen Kritiker mischen wollte. Nun steht er selbst in der vordersten Reihe. Wenn er sich bewährt, wird er Merkels wichtigster Mann. Versagt er, reißt er auch die Kanzlerin in die Tiefe.

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19 Kommentare zu "Kommentar: Merkels Mann"

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  • @Hagen_von_Tronege
    Das die Energiewende ein deutscher Sonderweg ist, macht die Möglichkeiten Deutschlands und die Armseeligkeit der anderen Länder deutlich. Wenn wir unseren Technologievorsprung bei den Erneuerbaren versilbern wollen, sollten wir beweisen, dass wir sogar im weniger sonnigen und eher windschwachen Deutschland mit ihnen eine tatsächliche Alternativen zu Kohle und Atom haben.
    Wenn Ihnen der Atom-Ausstieg zu hastig erscheint, dann weil er längst überfällig ist, zumindest was die alten Meiler angeht. Unüberlegt erscheint er, weil er selbstredend ist. Zum Thema Sachkenntnis möchte ich anmerken, dass Atomkraftwerke der Grundlast dienen und deshalb schlecht die für die Erneuerbaren benötigte Regelenergie stellen können.
    Nach dem Schaden klug sein, ist keine Kunst. Zugegeben: der Tsunami von Japan hat das AKW Fukuschima zerstört, aber die Folgeschäden durch Radioaktivität werden von der Technologie verursacht. Es ist völlig egal, welche Ursache deren Versagen herbeiführt.
    Es liegt vielleicht manchmal im Auge des Betrachters, ob das Pferd oder der Reiter tot ist.

  • @merdunix
    "Und im Übrigen: Seehofer ist ein Meister darin, Wahrheiten erst dann auszusprechen, wenn sie alle anderen schon erkannt haben."

    Im Gegensatz zu anderen spricht er sie aus!
    Deshalb - noch mal:
    Der bei uns „Energiewende“ genannte deutsche Sonderweg, der von keinem anderen Land der Welt nachvollzogen wird, ist eine emotionale Schockreaktion auf den Tsunami bei Fukushima. Der Ausstieg aus der Kernenergie war im gesellschaftlichen Konsens bereits beschlossen. Diesen Ausstieg per Dekret durch vorzeitige Abschaltung von funktionierenden Anlagen beschleunigen zu wollen, war:
    zu hastig
    zu unüberlegt,
    zu wenig mit den europäischen Nachbarn abgestimmt
    und ohne Sachkenntnis.

    Der Weltenergierat, eine Unterorganisation der UNO und damit einer parteipolitischen Ausrichtung erst mal unverdächtigen Organisation, hat klar gesagt, dass er vor den Anstrengungen der Deutschen Respekt hat, aber eine Erreichung der für 2022 gesetzten Ziele für unmöglich hält.

    Also weder Röttgen noch sonstwer kann das schaffen. Auch Altmeier nicht. Für eine konzertierte Aktion über Ministerien hinweg fehlt nebenbei gesagt ein Masterplan, wie in der Industrie sonst üblich. Nun kann man die alte Indianer-Ansicht teilen: Wenn Du bemerkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab. Das hilft aber hier nicht weiter. Frau Merkel hat nun die Machtoption gewählt und einen „Offizier ohne Fortüne“ durch einen anderen, bei der Presse beliebten, polyglotten „Erklärbären“ ersetzt. Das kann man tun, aber nur, wenn auf der zweiten und dritten Ebene die Sachkenntnis vorhanden ist. Die fehlt aber nach wie vor.

    Deshalb: Herr Seehofer, machen Sie den dritten Schritt: Springen Sie über Ihren Schatten, sprechen Sie mit Herrn Rösler und schicken Sie Ihre süddeutschen Energie-Experten nach Berlin, sie werden dort gebraucht.

  • Aha, SteuerKlasseEins weiß ja gut Bescheid; in Fukushima gab es also 0 Tote/Verletzte/Kranke. Woher haben Sie diese Erkenntnis?
    Bevor Sie über das Für und Wider von Atomkraft schwadronieren, sollten Sie sich mal sachkundig machen.

  • Das Problem ist, dass durch die Energiewende neue Windkapazitäten ausgebaut werden sollen (mit Abnahmegarantie). Also braucht man eigentlich keine fossilen Kraftwerke, aber wenn der Wind ausbleibt, braucht man sie doch.

    NIEMAND wird ein Kraftwerk bauen, das aufs Jahr gerechnet nur zu 15% ausgelastet ist. Die Bundesnetzagentur hat die Wahl, ob (1) sich für wenige Tage alte Kraftwerke hochfahren lässt und nur den benötigten Strom bezahlt, oder ob (2) sie den Bereitstellungszustand eines neuen Kraftwerkes komplett finanziert. Variante (2) ist günstiger, allerdings nur solange wie es noch Betriebsgenehmigungen für diese Kraftwerke gibt. Da wir aber Weltmeister in der Disziplin "ins eigene Knie schießen" sind, rechne ich damit, dass in 5 - 10 Jahren Veriante (2) aus betriebstechnischen, sicherheitstechnischen Optionen nicht mehr möglich ist. Frankreich, Österreich und die Schweiz werden gegen ein entsprechendes Entgelt gerne in Notfällen in die Bresche springen und und gegen einen kleinen Obulus die Überproduktion abnehmen. Das Problem der Engergiewende sind die fehlende Vernetzung in den Süden und in ganz Deutschland und die relative Unzuverlässigkeit von Wind und Sonne. Das Problem kann man mit Smart Grid Technologien und Zwangsabschaltungen (gegen Vergütung) bei der Industrie eindämmen, aber es kostet Geld. Diese Energieprämie reduziert Konkurrenzfähigkeit, Gewinne und Kaufkraft.

    Vielleicht können wir dann einmal unsere Smartgrid-Technologien an den Weltmärkten gut vermarkten, aber zuerst kommt die Durststrecke, in Form einer negativen Wertschöpfung.

  • Richtig? Röttgen ist bei der Energiewende an seine Grenzen als Umweltminister gestoßen, insofern lässt sich der Rausschmiss rechtfertigen. Stellt sich aber die Frage, woran es denn bei der Energiewende klemmt. Soll sich das Umweltministerium auch noch um den Netzausbau kümmern. Dafür haben wir einen Wirtschaftsminister. Da es wohl aber eher juristische Hürden sind, liegt das Übel bei der Justizministerin. Es mag den Anschein haben, dass Röttgen kein guter Teamspieler ist. Zum Team gehören aber auch die anderen.
    Und im Übrigen: Seehofer ist ein Meister darin, Wahrheiten erst dann auszusprechen, wenn sie alle anderen schon erkannt haben.

  • Warum fällt es so schwer, den Rausschmiss als das zu bezeichnen, was es wirklich war: RICHTIG
    Ohne Umschweife. Das, was Herr Röttgen abgeliefert hat und wie er im Team gespielt hat: NICHT AKTZEPTABEL
    Horst Seehofer hatte Recht, es wird über alles gesprochen nur nicht über das was wirklich passiert ist.

  • Ministerqualifikation
    Reicht es, bei der Kanzlerin angesehen zu sein? Altmaiers Verdienst sind die Lobhudeleien, die er in allen Talkshows über seine Kanzlerin von sich gegeben hat!

  • Germany promises €150 million a year to support Afghan troops

    German Chancellor Angela Merkel said her country will provide Afghanistan with €150 million a year to support its security forces. The funding will start in 2015, the year after NATO-led forces are scheduled to leave the country. Merkel made the announcement after signing a long-term bilateral agreement with Afghan President Hamid Karzai in Berlin. The deal came ahead of a NATO summit in Chicago that is expected to focus on Afghanistan.

  • Nun denn. Wieder einer weniger. Und wieder einer mehr. Antworten zu geben nur für den Erhalt von Einfluß ist ein alter Hut. Ich denke das Pulver der Kanzlerin ist verschossen. Diese Regierung hat keinerlei Antworten auf Probleme die unsere Zeit hervorgebracht hat. Es bedarf Kenntnisse beider ehemals deutscher Staaten und es bedarf dem Verstehen von Europa. Ich sehe wirklich niemanden der diese Kenntnisse aufweist. Weder in der Regierung noch in der Opposition. Das Wesen der Demokratie ist halt das ständig Kompromisse gemacht werden (müssen). Und auf diesen folgen wiederum Kompromisse. Eine Misere die eigentlich nur mit einer Vision gefolgt von einer Strategie behandelt werden kann. Nur wenn die Strategie darin besteht eine Macht zu erhalten, tja dann wird es schwierig. Es ist Zeit sich um das Volk zu kümmern. Nicht nur in Deutschland.

  • Merkel’s Touch. Alles was Koenig Midas beruehrte, verwndelte sich auf der Stelle in Gold.

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