Kommentar
Mit der Saab-Havarie abgefunden

Der Antrag auf Gläubigerschutz ist für die Mitarbeiter von Saab das traurige Ende einer dramatischen Woche. Mit der Havarie der Traditionsmarke haben sich allerdings viele Landsleute offenbar schon abgefunden. Und die schwedische Regierung hat sich vielleicht an die Werftenkrise erinnert.

Die rund 4000 Mitarbeiter der kleinen schwedischen Edelmarke Saab werden diese Woche nie vergessen: Am Dienstag der befürchtete Bescheid vom Mutterkonzern GM, man werde die seit 1995 verlustbringende Marke fallen lassen. Einen Tag später die Bestätigung dessen, was die schwedische Regierung schon immer gesagt hat: wenn GM und Saab es in den vergangenen Jahren nicht geschafft haben, den schwedischen PKW- Produzenten in die schwarzen Zahlen zu steuern, wie soll das dann einem Staat gelingen? Also: keine Steuergelder nach Trollhättan.

Der am Freitag von Saab beim Amtsgericht in Vänersborg eingereichte Antrag auf "Gläubigerschutz", um die endgültige Pleite zu verhindern, war nur noch der traurige Höhepunkt der dramatischen Woche.

In den kommenden Monaten wird ein vom Gericht beauftragter Jurist nach Möglichkeiten schauen, wie und ob Saab noch zu retten ist. Leicht wird das nicht, denn anders als bei Opel hat Saab seinem Mutterkonzern nie Gewinne bescheren können. Mit nur noch 94 000 jährlich produzierten Autos fehlt die kritische Größe. Das weiß auch die Regierung und hält deshalb den Geldhahn geschlossen. Eine Bürgschaft, ja, das ist denkbar, ein staatlicher Einstieg nicht.

Sollte Saab-Konkurrent Volvo in eine ähnliche Lage kommen, hätte die Regierung größere Schwierigkeiten, Verständnis für ihre pragmatische Haltung zu bekommen. Denn Volvo ist anders als Saab ein riesiger Arbeitgeber. Zudem ist die Marke viel tiefer im Bewusstsein der Schweden verankert.

Obwohl Saab zu den Kleinoden der schwedischen Wirtschaftsgeschichte zählt, haben sich die meisten Schweden mit der Havarie der einstigen Nobelmarke schon längst abgefunden. Es war ein langer Abschied auf Raten. Ob es weitergehen kann, hängt in erster Linie davon ab, ob Saab einen geeigneten Partner findet. Allein kann das Unternehmen nicht überleben.

Und vielleicht erinnert sich die schwedische Regierung ja auch an die schwere Werftenkrise Anfang der 80er Jahre. Damals ließ man in Göteborg gleich mehrere Werften in Konkurs gehen. Heute weiß man, dass das abrupte Ende der Startschuss für einen Neuanfang mit vielen erfolgreichen IT- und Biotech-Unternehmen war. Vielleicht eine Chance für die vielen Autobauer an der schwedischen Westküste.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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